Die Bedeutung der Arompflege für Pflegepersonen hinsichtlich ihres eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereiches 12.10.2017 11:41

Die Bedeutung der Arompflege für Pflegepersonen hinsichtlich ihres eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereiches

Dieser Beitrag befasst sich mit der Frage, welche Bedeutung Aromapflege für das durchführende Pflegepersonal hinsichtlich des eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereiches hat und beleuchtet in diesem Zusammenhang die Rolle der Kompetenzerweiterung für die Gesundheit und Arbeitszufriedenheit von Pflegekräften (Philipp, 2015).

Untersuchungen zur komplementären Pflegemethode Aromapflege beschäftigen sich vorrangig mit der Frage nach der Wirksamkeit von Naturprodukten. Der Stellenwert der Aromapflege für das durchführende Pflegepersonal wird hingegen vielfach vernachlässigt. Die Masterthesis von Katharina Philipp beschäftigt sich mit der Bedeutung der Aromapflege für Pflegepersonen hinsichtlich ihres eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereiches und wurde im Rahmen des Universitätslehrganges Advanced Nursing Practice an der Donau Universität Krems durchgeführt. Für die Autorin galt es, Empfindungen und Bedürfnisse jener Menschen zu beschreiben und verständlich zu machen, die pflegebedürftigen Personen rund um die Uhr mit ihrem Wissen und ihrem Engagement zur Seite stehen.

Die Untersuchung fand in Form von zwei Gruppendiskussionen in den Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz statt. Bei den teilnehmenden Pflegekräften handelte es sich um Mitarbeiterinnen der Bereiche Hospiz und Wachkoma. Die Aussagen der acht Pflegepersonen wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet und in drei Hauptkategorien sowie elf Unterkategorien gegliedert (Mayring, 2010). Die Gruppendiskussionen zeigten klar den Wunsch der Pflegekräfte nach Individualität und Ganzheitlichkeit bei der Betreuung der zu Pflegenden. Den befragten Personen zufolge kann dieser Wunsch mit Hilfe der Aromapflege erfüllt werden. Besonderer Wert wird daher auf die Biografie, sowie die Anamnese mit den Vorlieben und Abneigungen der  Pflegebedürftigen gelegt. Hervorgehoben wird an dieser Stelle auch das Anliegen, Abneigungen von Teammitgliedern gegenüber spezifischen Gerüchen zu respektieren.

Den Pflegenden zufolge kann die komplementäre Pflegemethode sowohl in alltägliche Pflegehandlungen integriert, als auch als individuelle Maßnahme angeboten werden. Aromapflege wird insbesondere in komplexen Pflegesituationen angewandt, wie beispielsweise der Sterbebegleitung. Hierbei sind sich die diskutierenden Pflegenden der Bedeutsamkeit von Naturprodukten (wie beispielsweise ätherischen Ölen und Aromapflegeprodukten) zur Unterstützung und Entlastung für alle Beteiligten einig. Diese Feststellung wurde durch folgende Aussage einer an der Gruppendiskussion teilnehmenden Person untermauert:
"Wenn der Raum gut riecht, nimmt es oft die Schwere im Zimmer, wenn jemand im Sterben liegt. Das  ist für den Patienten gut und für uns" (C4, Z. 60-63). Als dahinterstehende Absicht kann klar der Wille, den zu Pflegenden in psychischen und physischen
Ausnahmesituationen Fürsorge und Wohlbefinden bieten zu können, genannt werden. Aromapflege bedeutet in manchen Fällen einen erhöhten Arbeitsaufwand für die Pflegekräfte. Dennoch wird dieser Umstand in Kauf genommen, um betreuungspflichtigen Menschen individuelle, aromapflegerische Maßnahmen auf kreative Weise ermöglichen zu können. Die intensive Auseinandersetzung mit den zu Pflegenden scheint sich überdies günstig auf die Beziehungsqualität zwischen den beteiligten Personen auszuwirken. Pflegende beobachten das Entstehen eines Vertrauensverhältnisses zwischen sich und den pflegebedürftigen Menschen, sowie einen behutsamen Umgang miteinander. Dieser Aspekt wird mit Nachdruck als wohltuend empfunden, wie folgend von einer teilnehmenden Person formuliert: "…der Patient fühlt sich aufgehoben, wohl - und mir geht’s auch gut, weil ich es gemacht habe" (B2, Z. 113).

Der eigenverantwortliche Tätigkeitsbereich hat für die befragten Pflegepersonen eine außerordentliche Bedeutung. Den Gruppendiskussionen zufolge kann dessen Umsetzung durch den Erwerb fachlicher Kenntnisse wie der Aromapflege unterstützt werden. Der eigenverantwortliche Tätigkeitsbereich erlaubt Pflegekräften ein erweitertes Entscheidungs- und Handlungsspektrum und bietet Unabhängigkeit von anderen Berufsgruppen. Entscheidungen zum Wohl der pflegebedürftigen Personen können rasch und unmittelbar getroffen werden. Eine erweiterte Fachkompetenz unterstützt zudem den Pflegebereich, sich als eigenständige Profession zu etablieren und den Berufsstand in seinem Ansehen zu stärken. Mittels Aromapflege rückt das Aufgabengebiet der Gesundheitsförderung und Prävention stärker in den Vordergrund. So empfinden die teilnehmenden Pflegekräfte die Maßnahmen der Aromapflege hilfreich hinsichtlich der Gesundheitspflege - sowohl  für die zu Pflegenden, als auch für das betreuende Team. Diesbezügliche Maßnahmen werden bewusst gesetzt.

Darüber hinaus erleben Pflegekräfte durch die Aromapflege die Erfolge ihres Handelns im Rahmen des eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereiches unmittelbar. Die befragten Pflegepersonen berichten mitunter über den Erhalt positiver Rückmeldungen seitens der zu Pflegenden, der Angehörigen, sowie des betreuenden Teams und erhalten dadurch Anerkennung von allen Beteiligten.

Die Gruppendiskussionen in den Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz zeigten den hohen Stellenwert der Aromapflege für das betreffende Pflegepersonal deutlich auf. Die Möglichkeit, sich eigenverantwortlich, kreativ und aktiv in den Pflegealltag einzubringen, wirkt sich positiv auf das Empfinden und die Motivation der Pflegekräfte aus. Dies kann auf den Einfluss von Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns, Eigenverantwortung und Erfolgserleben auf die Arbeitszufriedenheit von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Unternehmen zurückgeführt werden. An dieser Stelle sei die Bedeutung der genannten Faktoren sowohl auf die Arbeitszufriedenheit, als auch auf die Gesundheit von arbeitenden Menschen erwähnt. Auch der positive Einfluss von Kreativität und Partizipation (darunter ist Beteiligung und Mitbestimmung zu verstehen) auf die Gesundheit von Menschen ist bekannt (Bauer, 2013).

Pflegemethoden wie die Aromapflege unterstützen Pflegekräfte, ihren eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereich umzusetzen und unabhängig von anderen Professionen zu sein. Gesundheitsförderung und Prävention sind gesetzlich verankerte Aufgabenfelder des Pflegebereiches. Diese Aspekte verdienen besondere Beachtung, da Gesundheitsförderung und Prävention den gleichen Stellenwert haben wie der kurative Bereich (Schwamberger, Biechl, 2014). Kompetenzerweiterung bietet Pflegekräften zahlreiche Vorteile. Die Schaffung der nötigen Rahmenbedingungen zur qualitativen Umsetzung der Aromapflege ist daher auch zukünftig erstrebenswert.

Autorin:
Katharina Philipp, MSc, geboren 1983 in Weiz, ist seit 2007 als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin (DGKP) in den Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz tätig. Neben ihrer Funktion als DGKP im Bereich der Akutgeriatrie/Remobilisation verfügt sie über Fachkompetenz in Aromapflege nach § 64 GuKG und Therapeutic Touch Level 1,2,3 nach Therapeutic Touch International Association (TTIA) und setzt diese Kenntnisse als Pflegeexpertin auf dem Gebiet der Komplementären Pflege in den Geriatrischen Gesundheitszentren ein. Ihr Anliegen ist es, den Pflegenden forschungsgeleitetes, theoretisches und praktisches Wissen anzubieten, sowie Veränderungsprozesse zu begleiten und Pflegewissen in der Praxis individuell umzusetzen. Ihre Masterarbeit wurde unter der Betreuung von Prof. Mag. Alfred Wahlmüller im Rahmen des Universitätslehrganges Advanced Nursing Practice an der Donau Universität Krems durchgeführt.

Literaturverzeichnis:
Bauer, J. (2013): Arbeit. Warum unser Glück von ihr abhängt und wie sie uns krank macht. 1. Auflage. München: Blessing Verlag
Mayring, P. (2010): Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. 11. Auflage. Weinheim und Basel: Beltz Verlag
Philipp, K. (2015): Bedeutung der Aromapflege für Pflegepersonen hinsichtlich des eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereiches. unveröffentlichte Masterarbeit. Graz: Donau Universität Krems
Schwamberger, H., Biechl R. (2014): GuKG. Gesundheits- und Krankenpflegegesetz. 7. Auflage. Wien: Verlag Österreich

Nachzulesen in: Philipp, K.; Die Bedeutung der Aromapflege für Pflegepersonen hinsichtlich ihres eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereiches; Hand in Hand mit der Natur - Das Magazin für Aromapflege und Aromatherapie 2017: 7; 23-25

Bildnachweis: © aromapflege.com

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