Liebe in voller Blüte 06.04.2016 16:09

Liebe in voller Blüte

Blumen und ihre Blüten beeindrucken nicht nur unser Auge durch ihre Formen und ihre Farben, lassen sich verschenken an einen besonderen Menschen, bezirzen Insekten, teilweise können wir sie sogar essen, so ganz nebenbei lassen sich aus einigen auch ätherische Öle bzw. fette Öle herstellen, NEIN sie beeinflussen ganz entscheidend auch unser Liebesleben. Lust, Verlangen, Liebe und Zurückweisung sind nur ein kleiner magischer Teil ihrer Kräfte.

Schon vor langer Zeit hat der Mensch experimentiert und sich die geheimnisvolle Kraft der Pflanzen zunutze gemacht. Viele Anwendungsmöglichkeiten sind im Bereich der Sagen und Riten verschwunden, vieles jedoch hat auch heute noch „Hand und Fuß“.

Blumen sind die zur Schau gestellte Liebe der Pflanzen
Carl von Linné

Amore in fiore
Liebe in voller Blüte oder noch verführerischer und schöner auf italienisch „Amore in fiore“. So hieß auch eine beeindruckende Ausstellung 2014 in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff in Meran/Süditalien. Unser Bericht wurde maßgeblich davon beeinflusst – Danke für die Ausstellung.

Helfer in Liebesangelegenheiten
Seit Menschengedenken haben wir Pflanzen für unser Liebesleben eingesetzt, auf die unterschiedlichsten Arten.

Als Liebeszauber – Liebestrank
Pflanzen in Form von Liebeszauber, in Speisen und Tränken zu verabreichen ist mit Sicherheit nichts Neues, wollte man die Liebe eines anderen erreichen (erzwingen?).
Mit der Sprache der Blumen
Die berühmteste ist die Bedeutung der roten Rose: „Ich liebe Dich!“ – wer kennt sie nicht. Das Edelweiß sagt: „Du bist wunderschön!“ und die Glockenblume „Unsere Herzen schlagen im gleichen Takt!“.
Als Zeichen für eine Kommunikation ohne Worte wurde die Blumensprache wahrscheinlich schon in der Antike benutzt. Hinweise darauf gibt es in den Hieroglyphen der Ägypter sowie Überlieferungen aus dem alten China. Der englischen Schriftstellerin, Lady Mary Wortley Montagu, haben wir es zu verdanken, dass zu Beginn des 18. Jahrhunderts diese Sprache durch die Blumen in Europa ihren Einzug hielt. Es entwickelte sich ein umfangreiches ausgeklügeltes System zur Botschaftsübermittlung mittels Blumen. Es macht einen Unterschied ob die Blüte gelb, blau, rot oder irgendeine andere Farbe hat, die Art der Blume, ja sogar ob die Blume aufrecht steht oder hängt, alles war und ist auch heute noch von Bedeutung (vgl. www.brauchtumsseiten.de/a-z/b/blumensprache/).

Als Aphrodisiakum
Als Aphrodisiakum bezeichnet man Mittel zur Anregung und Steigerung des Geschlechtstriebes und der Potenz (vgl. www.duden.de).
Diese Bezeichnung leitet sich aus dem griechischen „aphrodisiakós = „zum Liebesgenuss gehörend“ ab. Man geht davon aus, dass der Gebrauch von aphrodisierenden Mitteln in allen Völkern verbreitet war und ist. Unter anderem findet man in der Bibel (Gen. 30, 14) den Hinweis auf die aphrodisische Wirkung der Liebeswurzel dûdâ’im (Alraune) und das 18. Jahrhundert hatte seine „pastilles galantes“ und der Orient die „Fröhlichkeitspillen“ (vgl. web.zhbluzern.ch/veranstaltungen/2007/dok/Liebeszauber_Blick_in_die_ausstellung.pdf).

Aphrodite, griechische Göttin der Liebe, gilt wohl schlechthin als die weibliche Verlockung und erotische Hingabe. Man sagt, dass sie auch einen reich verzierten Gürtel besaß, der ihr einen außergewöhnlichen Liebreiz vermittelte und mit dessen Hilfe, sie jeden, zu ihrem Anbeter machen konnte (vgl. www.werbeka.com/bibliote/gudar/afroditd.htm und www.mauler.info/khaire/archiv/ 64061008.htm).

Durch Hesiod, einem griechischen Dichter, ist überliefert, dass die Liebesgöttin in einer Muschel, in der Form einer Vulva, geboren wurde. Homer, Autor und Dichter des Abendlandes, schreibt: “Nachdem sie an den Strand von Zypern getragen wurde, erblühten überall duftende Kräuter, wo ihre Füße den Boden berührten, dieselben Kräuter, welche auch in ihrem Gürtel verborgen waren, jene Mittel zur Erhöhung der sexuellen Kraft.“

Es gibt viele Pflanzen denen eine erotisierende oder berauschende Wirkung zugeschrieben wird.

Als aphrodisierendes Lebensmittel
Schon immer galten bestimmte Nahrungsmittel, Gewürze und Kräuter als Lustmacher. Aber warum gelten Schokolade, Vanille, Chili, Spargel, Feigen und/oder Erdbeeren als wahre Verführungskünstler? Was ist die Ursache ihrer Wirkung? Schon ein altes Sprichwort sagt: „Liebe geht durch den Magen.“ Wer findet Erdbeeren mit Schokolade, allein schon beim Hinsehen, nicht schon verführerisch. Mit Sicherheit sind Aphrodisiaka keine Wundermittel, aber sie regen doch nachweislich ein wenig unsere Empfindsamkeit an, wirken entspannend oder regen den Kreislauf und die Durchblutung an und somit kommt es zu einer Luststeigerung. So kann der Blutfluss sowie die Testosteron- und Spermienbildung angeregt werden und eventueller Stress reduziert werden. Einige Inhaltsstoffe können natürlich vorkommende Hormone nachahmen bzw. verstärken oder unseren Körper dazu animieren, mehr Sexualhormone zu produzieren.

Hier nur einige wenige Beispiele:
Granatapfel – Frucht der Götter
Der lateinische Name des Granatapfels „Punica granatum“ leitet sich von den Phöniziern (welche auch Punier) genannt wurden und granatum von granatus. Dies bedeutet so viel wie körnig bzw. kernreich.

Aphrodites Lieblingsbaum
In der Mythologie heißt es, dass ein Granatapfel einen Streit zwischen den Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite beendete. Der Streit ging um die Frage, wer die Schönste von ihnen sei. Der Trojaner „Paris“ überreichte Aphrodite einen Granatapfel, womit die Frage als geklärt galt (vgl. Grabhorn, 2007, S. 18).

Bedeutungsvolle Frucht
Ob bei den Römern, Griechen oder anderen Kulturen, die rote Frucht ist und war schon immer ein Symbol für Verjüngung, Unsterblichkeit und Fruchtbarkeit.

Lustvolles Essen
Ob Körnchen für Körnchen oder doch löffelweise, allein schon der Anblick eines aufgeschnittenen Granatapfels, lässt der Phantasie freien Lauf. In einer widerstandsfähigen Schale liegen die prallen, roten, süßen Kerne.
Der Granatapfel galt schon immer als Zeichen der Fruchtbarkeit. Er ist reich an Phyto-Östrogenen, welche dem weiblichen Östrogen sehr ähnlich ist.

Schon die Azteken sollen sich mit dem Samen der Vanilleschote eingerieben haben, um so eine verstärkte Anziehungskraft auf das andere Geschlecht zu haben.

Vanillin, der Geruchsstoff der Vanille, ähnelt dem Pheromon, dem natürlichen Sexuallockstoff der Menschen. Schon die Azteken sollen sich mit dem Samen der Vanilleschote eingerieben haben, um so eine verstärkte Anziehungskraft auf das andere Geschlecht zu haben und böse Zungen behaupten, Damen aus dem „Rotlichtgewerbe“ riechen immer danach.
Kakao und Vanille wirken auf uns sehr entspannend und rufen in uns Glücksgefühle hervor.
Das in der Schokolade enthaltene Phenylethylamin, hirneigener Botenstoff, steht im Verdacht Lust- und Glücksgefühle auszulösen.

Als „Scharfmacher“ gelten Ingwer, Paprika oder Pfeffer – ihre Wirkstoffe sollen die Durchblutung der Sexualorgane verstärken.

Als aphrodisierender Duftgeber oder als duftender Botschafter
Bereits Cleopatra wusste Düfte für sich einzusetzen, parfümierte sie doch die Segel ihrer Barkasse mit Henna, bevor sie sich zum ersten Mal mit Antonius traf (vgl. Fellner, 1998, S. 13).

Ätherische Öle als unsichtbares Band zwischen Mensch und Pflanze
Unser Geruchssinn steht in direkter Verbindung mit unserem Gehirn, dem limbischen System. Der Teil in dem u.a. unsere Emotionen und unsere Phantasie geregelt werden. Ätherische Öle können also direkt darauf Einfluss nehmen.
Ein guter Duft als Parfum oder in einem Massageöl ist ein Fest für unsere Sinne. Ätherische Öle sind in der Lage, Hormone zu beeinflussen, uns zu entspannen, wenn wir allzu kopflastig sind und unsere Gefäße zu erweitern, damit erhöht sich auch die Durchblutung. Ganz genauso wie bei den aphrodisierenden Lebensmitteln, nur in einer vielfach verstärkten Version. Bestimmte Inhaltsstoffe bewirken bei uns z.B. eine euphorische Stimmung; andere wiederum die Durchblutung erhöhen, uns harmonisieren, uns sinnlich stimmen aber auch unsere Hormone beeinflussen, wie Östrogen und Testosteron (vgl. Werner, Braunschweig, 2014, S. 30-36).

Kleine Auswahl:
Die frische spritzige Grapefruit - stimmt fröhlich und heiter, sie verkörpert schlechthin die Lebenslust.
Der exotische, süße und schwere Jasmin hilft, Hemmungen abzulegen; beflügelt unsere Phantasie, wirkt auf besondere Art und Weise auf unser Gefühlszentrum ein.
Der sinnlich stimulierende und entkrampfende Muskatellersalbei.
Der samtig weiche, holzige Verführer Sandelholz, der nicht nur den Männern gefällt.
Der beruhigende, sehr sinnliche Ylang Ylang-Duft. Bei ihm haben Streit und Unruhe keine Chance.

Zum Abschluss:
Pflanzen sind und waren für uns Menschen immer schon wichtig, wichtiger als wir uns im Normalfall vorstellen können. Dieser Beitrag bietet ihnen eine weitere Sichtweise und will nur informieren. In welcher Weise diese Informationen von Ihnen interpretiert, verarbeitet und umgesetzt werden liegt ganz bei Ihnen. Wir wünschen Ihnen viel Freude mit den duftenden Blüten der Natur.

Literaturverzeichnis:
Fellner, T. (1998): Aromen für Liebe, Lust und Sinnlichkeit. 1. Auflage. Niederhausen/Ts.: Falken Verlag
Grabhorn, Dr. S. (2007): Granatapfel - Frucht der Götter, Heilwirkung, Anwendungen, Tipps und Rezepte. 1. Auflage. Oy-Mittelberg: Joy-Verlag GmbH
Rätsch, C. (2001): Pflanzen der Liebe – Aphrodisiaka in Mythos, Geschichte und Gegenwart. 5. Auflage. Aarau: AT-Verlag
Werner, M. / von Braunschweig, R. (2014): Praxis Aromatherapie – Grundlagen–Steckbriefe-Indikationen. 4. Auflage. Stuttgart: Karl F. Haug Verlag

Nachzulesen in: Deutsch-Grasl, E., Reischer, W. (2015): Liebe in voller Blüte. In: Hand in Hand mit der Natur. Das Magazin für Aromapflege und Aromatherapie, 2. Ausgabe, S. 20-22.
issuu.com/evivre/docs/aromapflegemagazin_2015-1_issuu

Bildverzeichnis: Vorschaubild, Header: © Waltraud Reischer, Granatapfel: © volff - Fotolia.com, Pfefferoni  © Yeko Photo Studio - Fotolia.com

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