Parfum - eine Symphonie der Düfte 11.04.2016 16:13

Parfum - eine Symphonie der Düfte

Ein Parfum ist für mich wie ein Regenbogen: bunt, vielfältig, geheimnisvoll, nicht zu fassen – einfach bezaubernd! Der Duft eines Naturparfums ist so individuell wie seine Trägerin oder sein Träger selbst. Ein Parfum ist wie ein Hauch duftender Phantasien.

Professionelle Parfumeure werden liebevoll „die Nasen“ genannt. Sie entwickeln in ihrer Ausbildung ein sogenanntes Geruchsgedächtnis und können ca. 2.500 verschiedene Riechstoffe auseinanderhalten1. Heute wollen wir uns selbst als „Nase“ mit der Kunst des Mischens befassen und deshalb hier ein paar wichtige Informationen vorab.

Welche Duftkonzentration oder in der Sprache der Parfümeure, welche Verdünnungsklasse möchte ich für meine Kreation?
In der Regel besteht ein herkömmliches Parfum meist aus künstlichen Inhaltsstoffen. Ein Naturparfum ist besonders wertvoll und besteht aus 96%igen Alkohol (Weingeist) oder Jojobaöl/-wachs und ätherischen Ölen.

Jeweilige Vorteile: Die Mischung mit Alkohol kann leicht versprüht werden. Eine Mischung mit Jojobaöl/-wachs haftet besser auf der Haut und ist daher länger wahrnehmbar.

Verdünnungsklassen²

Was bedeuten die Bezeichnungen Kopf (K) / Herz (H) / Basis (B) sowie deren Zwischennoten KH und HB (vgl. Liath, 2012, S. 57)?
Für die perfekte Abrundung/Duftnote des Parfums ist es notwendig, die einzelnen ätherischen Öle im richtigen Verhältnis zuzugeben. Es soll sich nicht bereits nach 10 Minuten verflüchtigt haben.

Ein Naturparfum riecht nicht zu jeder Zeit gleich. Sobald das Parfum mit der Haut in Kontakt getreten ist, erschnuppert unsere Nase zuerst die sogenannte(n) Kopfnote(n). Dies ist der erste Eindruck des Parfums. Sie sind leicht und verflüchtigen sich rasch, wirken erfrischend und bestehen meistens aus Zitrus-, Minze- oder auch nadeligen Düften.

Sobald die Kopfnoten sich verflüchtigt haben, tritt die Zwischennote Kopf-Herz in den Vordergrund. Sie wirkt wie ein Vermittler und trägt Komponenten der Kopf- und Herznoten in sich. Sie ist nicht ganz so spritzig, aber auch noch nicht so harmonisierend wie eine Herznote.
Anschließend kommen immer mehr die „reinen“ Herznoten in den Vordergrund. Sie sind das sogenannte Herzstück eines Parfums – sie entwickeln ihre Duftnuancen bereits viel langsamer. Sie werden aus den Blüten-, blühenden Kräuter- (wie Lavendel) und Gewürzölen ausgewählt. Diese blumigen, leicht krautigen aber auch würzigen Düfte wirken harmonisierend auf unsere Seele.

Als 2. Vermittler haben wir nun die Herz-Basisnoten. Sie sind nicht so schwer wie die „reinen“ Basisdüfte. Dazu zählt z. B. die Immortelle. Diese Duftnuancen haben einen harmonisierenden aber auch schon einen kräftigenden, festigenden Charakter.

Zuletzt entwickeln, bzw. treten die Basisnoten in den Vordergrund des Parfums. Sie sind das Fundament jeder Kreation, sie „halten“ den gesamten Duft fest, damit sich dieser nicht zu schnell verflüchtigt und sie fixieren diesen. Diese Noten bestehen durchwegs aus Holz-, Wurzel- und Harzölen. Alles sehr erdende und ausgleichende, sich langsam verflüchtigende Düfte.

Ein Parfum setzt sich in den meisten Fällen aus 3 Teilen Kopfnote, 2 Teilen Herz und 1 Teil Basisnote zusammen. Die Zwischennoten werden je zur Hälfte in den jeweiligen Noten eingerechnet. Letztendlich ist die Wahl der Basisnoten ausschlaggebend, wie hoch die Kopf- und Herznoten für eine gelungene Mischung zugegeben werden sollten. Ebenso unterscheiden sich Parfum´s je nach Jahreszeit. Im Frühling und Sommer sind mehr Kopfnoten enthalten, daher sind diese leicht frisch, spritzig und im Winter mehr Herz- und Basisnoten, welches das Parfum gehaltvoller und wärmer gestaltet.

Welche Düfte gehören nun zu welchen Duftnoten?
Nicht für jeden sind die nachfolgenden Zuordnungen gleich, sie sollen nur eine ungefähre Richtlinie darstellen. Mancherlei Zuweisung entsteht auch durch reines Empfinden, ganz speziell bei den Zwischennoten. Es gibt hier keine strickte, endgültige Liste.

Hier nun „unsere“ persönliche Duftpyramide:
Kopfnoten: Minzenarten, Basilikum, Cajeput, Citronella, Eukalyptusarten, Zitrusarten, Lorbeer, Lemongrass, Litsea cubeba, Niaouli, Ravintsara, Rosmarin, Verbena

Kopf-Herznoten: Anis, Douglasie, Fenchel süß, Fichte schwarz, Fichtennadel, Ingwer, Kardamom, Kiefernadel, Koriandersamen, Latschenkiefer, Lavandin, Majoran, Melisse, Muskatellersalbei, Myrte, Palmarosa, Petitgrain Bigarade, Pfeffer schwarz, Teebaum, Thymian Linalool, Weißtanne, Zirbelkiefer

Herznoten: Champaca, Copaiva-Balsam, Frangipani, (Rosen-)Geranie, Iris, Jasmin, Kakao-Extrakt, Kamille römisch, Lavendel, Love in a mist, Mimose, Rosenarten, Neroli, Osmanthus, Tuberose, Veilchenblätter, Ylang Ylang

Herz-Basisnoten: Angelikawurzel, Atlaszeder, Balsamtanne, Cistrose, Ho-Blätter, Himalaja-Zeder, Immortelle, Kamille blau, Manuka, Nelkenknospe, Rosenattar, Salbei, Sandelholz, Schafgarbe, Thymian Thymol, Wacholderbeere, Ysop, Zimtrinde, Zypresse

Basisnoten: Benzoe, Bienenwabe mit Honig, Karottensamen, Myrrhe, Patchouli, Tolu-Balsam, Tonkabohne, Vanille, Vetiver, Weihraucharten, Zedernholz rot

Da wir jetzt genug Basisinformationen haben können wir unsere Kreation herstellen und unserer Phantasie freien Lauf lassen.
Wenn wir uns also entschieden haben, welche Verdünnungsklasse wir möchten und die ätherischen Öle anhand der Duftpyramide ausgesucht haben, benötigen wir noch ein dunkles Fläschchen, Alkohol oder Jojobaöl/-wachs und die benötigten ätherischen Öle.

Man beginnt mit der Basisnote und fügt die restlichen ausgewählten ätherischen Öle tropfenweise hinzu. Immer wieder daran riechen. Schreibt Euch „Eure“ Mischung ganz genau auf, damit Ihr Euer Gesamtkunstwerk jederzeit wieder herstellen könnt.

Die kreierte Duftmischung muss nun noch einige Zeit „reifen“ und sich zum eigentlichen Parfum entwickeln. Deshalb kühl und dunkel lagern (ca. 15 – max. 20 °C) und ab und zu schwenken – nicht schütteln. Nach ca. 3 - 6 Wochen ist es dann so weit. Die Kreation hat ihren Charakter entwickelt und wird jetzt ganz anders duften als noch bei der Herstellung. Anschließend könnt Ihr Euer Kunstwerk in eine Sprüh- oder in eine schöne, edle Glasflakonflasche abfüllen.

Zu aller Letzt: Alkoholmischungen sind entflammbar, daher nicht in der Nähe von Feuerquellen versprühen.

Viel Freude beim Eintauchen in die kunstvolle Welt des Naturparfums und bei der Kreation Eures Lieblingsparfums.

1 http://www.wissen.de/parfuemeurin[6.7.2015]
² http://www.eds-parfums.de/parfum-klassen.html[6.7.2015]

Literaturverzeichnis:
Liath, C. (2012): Im Jahreskreis – Rezepte für jede Jahreszeit. Norderstedt: Books on Demand GmbH
www.wissen.de/parfümeurin - BW Bildung und Wissen Verlag Nürnberg (2002)
Sieder A.: EdS ® – Parfums GbR – www.eds-parfums.de/parfum-klassen.html

weiterführende Literatur:
Goris, E. / Hutter C-P. (2011): Der Duftcode – Wie die Industrie unsere Sinne manipuliert. München: Wilhelm Heyne Verlag in der Random House GmbH
Ellena, J-C. (2012): Parfum – Ein Führer durch die Welt der Düfte. München: Verlag C.H.Beck oHG
Jellinek, Dr. J. S. (2000): Parfum Der Traum im Flakon – Wesen und Wirkung, Wahl und Verwendung klassischer und moderner Düfte. München: Wilhelm Goldmann Verlag in der Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH

Nachzulesen in: Deutsch-Grasl, E., Reischer, W. (2015): Parfum - eine Symphonie der Düfte. In: Hand in Hand mit der Natur. Das Magazin für Aromapflege und Aromatherapie, 4. Ausgabe, S. 14-15.
issuu.com/evivre/docs/aromapflegemagazin_2015-4_isuu

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