Kalte Enfleurage für die zartesten aromatischen Blüten 12.04.2016 11:09

Kalte Enfleurage für die zartesten aromatischen Blüten

Wie schon vorher (im Bericht Grasse - geheimnisvolle, duftende Stadt der Nasen) erwähnt waren wir gemeinsam mit Martin Henglein bei Michelle Cavalier. Sie ist eine überaus faszinierende und bemerkenswerte Persönlichkeit. In ihrer Familie war die Duftgewinnung mittels Enfleurage viele Jahrzehnte lang ein ernährendes Traditionshandwerk. Aus mehreren Gründen hat ihr Vater dieses Gewerbe jedoch aufgegeben.

Viele Jahre später lässt Michelle dieses nun wieder aufleben. Mit vielen persönlichen familiären Widrigkeiten, jedoch mit viel Idealismus, Wissen, Tatendrang und Durchhaltevermögen hat sie ein neues Verfahren (ohne tierische Fette) für die Gewinnung mittels Enfleurage entwickelt. Sie möchte das alte/neue Unternehmen erfolgreich weiterführen. Freunde ihrer wirklich wunderbaren Ergebnisse/Produkte gibt es zum Glück zu Hauff. Auch die großen Firmen bekundeten schon ihr Interesse. Ich durfte Michelle kennen und schätzen lernen und zolle ihr alle meine Hochachtung. Mach weiter so, du hast ein tolles Handwerk wiederbelebt und vor dem Aussterben bewahrt. Mehr unter: www.amapvalbonne.net/spip.php?article48

Wie funktioniert also eine Enfleurage?
Vor langer Zeit hat man erkannt, dass Fette und Öle Düfte besonders gut in sich aufnehmen, also absorbieren können. Funde und Malereien gehen bis ins alte Ägypten zurück. Die Enfleurage ist somit das älteste Herstellungsverfahren für wohlriechende Düfte. Dass es aber leider mitunter auch das teuerste Verfahren ist, erfährt Ihr gleich. In Frankreich wurde es viele Jahre später perfektioniert und gelangte so zu einer Hochburg an besonderen Düften. In Grasse wurde dieses besonders aufwändige Handwerk fast 200 Jahre, von 1750 bis 1940, durchgeführt. Nur die besonders empfindlichen Blüten von Jasmin, Tuberose, Veilchen und Narzisse wurden für dieses Verfahren herangezogen, u.a. auch weil sie Hitze ganz schlecht vertragen.

Man benötigte also Glasplattem mit einem Holzrahmen. Diese Platte wird auf beiden Seiten mit Fett (früher tierisch) eingestrichen. Nun werden die jeweiligen Blüten vorsichtig auf eine der bestrichenen Seiten auf dieses Fett gelegt (enfleurage). Das Fett absorbiert von nun an die Duftstoffe der Blüten. Immer wird nur eine der beiden Glasplatten belegt, die jeweils untere nicht belegte Seite absorbiert die Duftstoffe der jeweiligen unteren Glasplatte. Die verwelkten Blüten werden immer wieder vorsichtig händisch entfernt (défleurage) und wieder belegt, bis zu einem Monat lang. Bei Jasmin alle 24 Stunden, bei der Tuberose alle 72 Stunden. Bei jedem neuen Belegen der Platten wurde immer die zuletzt nicht belegte Seite mit neuen Blüten bestückt. Nachdem das Fett nun „gesättigt“ war, nannte sich dieses Produkt/Gemisch nun Pomade. Diese Pomade wurde anschließend mit Alkohol ausgewaschen und auf minus 20 Grad Celsius abgekühlt. Das hatte zur Folge, dass sich das Wachs vom Fett trennte und daraus ein sogenanntes Absolue (Duftextrakt) entstanden war. Im letzten Schritt wurde dann durch Extraktion das ätherische Öl, welches dem natürlichen Blumenduft wohl am nächsten kommt, gewonnen.

Nachzulesen in: Reischer, W. (2016): Kalte Enfleurage für die zartesten aromatischen Blüten. In: Hand in Hand mit der Natur. Das Magazin für Aromapflege und Aromatherapie, 6. Ausgabe, S. 10-11.
issuu.com/evivre/docs/aromapflegemagazin_2016-6_issuu/1

Bildverzeichnis: © Fragonard (5)

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