Implementierung und Wirtschaftlichkeit der Aromapflege auf der Intensivstation im Orthopädischen Spital Speising 12.04.2016 09:15

Implementierung und Wirtschaftlichkeit der Aromapflege auf der Intensivstation im Orthopädischen Spital Speising

Dank der Motivation und der kontinuierlichen Unterstützung unserer Pflegedirektorin Fr. B. Klemensich, MBA, konnte die Implementierung der Aromapflege erfolgreich umgesetzt werden. Diese komplementäre Pflegemethode verfolgt einen weitreichenden prophylaktischen Pflegeansatz, ermöglicht eine gesunde Hautpflege und erzielt bei unseren PatientInnen einen enormen Wohlfühlfaktor mit entspannender und angstlösender Wirkung.  In der Summe genießen unsere PatientInnen dadurch eine Verbesserung der Lebensqualität in einem kritischen Gesundheitszustand. Zudem zeigt unsere jährliche Auswertung eine deutliche Reduktion der Kosten.

Intensivpflege beschäftigt sich mit der Versorgung und Betreuung kritisch kranker Menschen. Die pflegerischen Maßnahmen orientieren sich an den individuellen Bedürfnissen der PatientInnen. Pflegeprobleme und Ressourcen werden im Rahmen des professionellen Pflegeprozesses definiert. Ziele werden festgelegt, wirkungsorientierte Maßnahmen werden definiert, durchgeführt und evaluiert. Die Pflegeplanung umfasst bei den intensivpflichtigen PatientInnen neben den grund- und speziellen pflegerischen Interventionen auch den Einsatz von prophylaktischen Maßnahmen (vgl. Larsen, 2012, S. 531).

Im Bereich der prophylaktischen Maßnahmen bietet uns gerade die Aromapflege, außer einem bemerkenswerten Wohlfühlfaktor, weitere effektive Möglichkeiten, die wir besonders bei unseren meist bettlägerigen PatientInnen im Sinne einer „gesunden, natürlichen“ Hautpflege erfolgreich einsetzen. Aromapflege umfasst die pflegerischen und prophylaktischen Maßnahmen, die im Rahmen des eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereiches vom diplomierten Gesundheits-, und Krankenpflegepersonal durchzuführen sind (vgl. Deutsch-Grasl, Buchmayr, Eberle, 2015, S. 17).

Die Übernahme der PatientInnen auf unsere Intensivstation erfolgt nach orthopädischen Operationen oft wegen lebensbedrohlichen, organisch bedingten Dysfunktionen wie z. B. kardiorespiratorische Insuffizienz, akutes Nierenversagen, schwere Septikämie und anderen kritischen Situationen. Dadurch ergibt sich eine überdurchschnittliche Aufenthaltsdauer von mehreren Tagen bis Wochen.

Zu unseren PatientInnen gehören auch Säuglinge, Kinder und Jugendliche, welche postoperativ nach längeren und schwierigen operativen Eingriffen bei uns überwacht werden.

Bei unseren kleinen PatientInnen werden die geplanten aromapflegerischen Maßnahmen mit den Eltern mündlich vereinbart und in der Pflegedatenbank vorgemerkt. Bei den erwachsenen Patienten wird die Einwilligung direkt vom Patienten eingeholt.
Die Aromapflege gehört auf unserer Station zum klinischen Alltag und wird bei unseren PatientInnen in Form von Waschungen, Hautpflege, Prophylaxen und Raumbeduftung angewendet.

Im hauseigenen Aromahandbuch ist die zur Verfügung stehende Produktauswahl zur Prophylaxe und zur gesunden Hautpflege, deren Indikationen, Anwendungsformen, Dosierungen, sowie die verantwortlichen Ansprechpersonen, detailliert niedergeschrieben.  Das geschulte Pflegepersonal garantiert für die qualitative Umsetzung und praktische Anwendung der Aromapflegeprodukte.
Wegen der reizlindernden, pflegenden und hautschützenden Eigenschaften kommt das Mandelöl bei Säuglingen und Kleinkindern zum Einsatz. Es hält die zarte Haut geschmeidig und widerstandsfähig. Der sanft nussige Geruch führt bei Kindern auch zu einer hohen Duftakzeptanz (vgl. Deutsch-Grasl, Buchmayr, Eberle, 2015, S. 267). Sehr viele Eltern zeigen reges Interesse an der Aromapflege und nützen die Möglichkeit der Information um die komplementäre Pflegemethode auch im privaten Bereich an ihren Kindern umsetzen zu können. Bei Erwachsenen wird zur gesunden Hautpflege vorwiegend das Olivenöl eingesetzt. Dieses nehmen wir als Zusatz bei Körperwaschungen und nützen somit gleich den pflegenden und rückfettenden Effekt. Die hautpflegenden, -regenerierenden und durchblutungsfördernden Eigenschaften des Olivenöls haben uns insbesonders bei septischen PatientInnen gezeigt, dass das Pflegeproblem der schuppenden und ausgetrockneten Haut bei regelmäßiger Anwendung zur Verbesserung des Hautbildes führt. Olivenöl enthält 75 % Ölsäure und phenolische Verbindungen, welche Schutz vor freien Radikalen geben (vgl. Werner, Braunschweig, 2014, S. 266).

Im Jahr 2011 wurden nur die Kosten der konventionellen Pflegeartikel berechnet, weil in diesem Zeitraum die Aromapflege noch nicht implementiert wurde. Im Jahr 2012 begann die Implementierungsphase der Aromapflege auf der Intensivstation.
Im Jahr 2013 halten sich die Kosten der konventionellen Pflegeartikel zu den aromapflegerischen Hautpflegeprodukten in den Gesamtkosten in der Waage.
Im Vergleich zu 2013 senkten sich 2014 die Kosten der Ausgaben für Aromapflegeprodukte und die der konventionellen Pflegeartikel bei in etwa gleichbleibender Patientenauslastung. Die Reduktion in den Kosten der Aromapflegeprodukte lässt sich auf die professionelle und gezielte Anwendung von Aromapflegeprodukten durch Schulungen und Anleitungen aller Mitarbeiter der Intensivstation erklären.
Durch den prophylaktischen Einsatz der aromapflegerischen Produkte konnte in der Auswertung auch erkannt werden, dass der Bedarf an konventionellen Pflegeartikeln, die für die Versorgung von Hautrötungen notwendig wären, gesunken ist.
Dies lässt darauf hindeuten, dass das relativ oft auftretende Problem der Hautrötung durch die prophylaktischen, aromapflegerischen Maßnahmen verringert werden konnte.

Bei unseren PatientInnen verwenden wir Aromapflegeprodukte der Pflegeserie Evelyn Deutsch, wie beispielsweise das Decubitus- und das Intertrigo Prophylaxenöl, welche auf die Prädilektionsstellen zweimal täglich aufgetragen werden. Das Decubitus Prophylaxenöl verbessert durch seine Inhaltsstoffe Cajeput, Niaouli und anderer ätherischen Öle die Durchblutung, der Lavendel fein wirkt hautpflegend und zellregenerierend. Jojobawachs und Johanniskrautölmazerat sind für die reizreduzierende, feuchtigkeitsregulierende und hautschützende Wirkung verantwortlich (vgl. Deutsch-Grasl, Buchmayr, Eberle, 2015, S. 222, 229, 233, 265, 266). Diese Anwendung in Kombination mit effektiver Druckentlastung und frühzeitiger Risikoeinschätzung zum Wundliegen konnte die Entstehung von Rötungen deutlich reduzieren.

Zur Kontrakturprophylaxe kommt das Entspannungs Pflegeöl zum Einsatz, welches neben entspannender und lösender Eigenschaften auf die Muskulatur auch einen beruhigenden Effekt auf das emotionale Befinden hat. Das Entspannungs Pflegeöl wird auf die betroffenen Muskelpartien aufgetragen und eingerieben. Durch den meist reduzierten Stoffwechsel sollte die Aromapflege bei PatientInnen wegen des möglichen kumulierenden Effektes der Inhaltsstoffe der ätherischen Öle nicht länger als 3–4 Wochen angewendet werden. Nach dieser Anwendungsdauer sollte ein aromafreies Pflegeintervall (Aromapause) von einer Woche eingehalten werden. Hierbei empfiehlt sich der Umstieg auf ein natives fettes Pflanzenöl ohne ätherische Öle wie z. B. Oliven- oder Mandelöl.

Die Implementierung der Aromapflege auf unserer Intensivstation begann im Jänner 2012. Im Rahmen unseres Aromapflegeprojektes wurde von uns ein Kostenvergleich der aromapflegerischen Hautpflegeprodukte gegenüber einigen konventionellen Pflegeartikeln aufgestellt.
Die Daten wurden im Zeitraum von 2011 bis 2014 erhoben und verglichen, wobei der Fokus auf sechs aromapflegerischen und konventionellen Hautpflegeprodukten lag.
Im Jahr 2011 wurden nur die Kosten von konventionellen Pflegeartikeln berechnet, weil in diesem Zeitraum die Aromapflege noch nicht implementiert wurde.

Die Gesamtkosten wurden berechnet und grafisch dargestellt. Anhand der Auswertung kann bestätigt werden, dass von Projektbeginn an, trotz Anschaffung von Aromapflegeprodukten und den noch parallel laufenden konventionellen Pflegeartikeln, eine deutliche Kostenreduktion erzielt werden konnte.
Eine in diesem Zusammenhang interessante Frage, auf die die Auswertung aber nicht fokussierte, wäre, wie viele therapeutische Maßnahmen erst gar nicht angewandt werden mussten, da es durch den Einsatz von Aromapflege im Sinne der prophylaktischen Maßnahmen zu keinem Pflegeproblem (z. B. Intertrigo) kam.

Autorin:
Zuzana Norovska ist diplomierte Kinderkrankenschwester und hat in unterschiedlichen Pflegebereichen und Krankenhäusern über 20 Jahre Berufserfahrung gesammelt. Sie ist seit 2007 auf der Intensiv Station im Orthopädischen Krankenhaus Speising beschäftigt. Neben ständigen Weiterbildungen besuchte sie 2011 die Sonderausbildung „Intensivpflege“ an der Akademie für Fortbildungen und Sonderausbildungen im AKH Wien. Im Anschluss an bereits besuchte Fortbildungen zum Thema Aromapflege absolviert sie derzeit die Weiterbildung „Komplementäre Pflege – Aromapflege“.

Literatur:
Deutsch-Grasl, E., Buchmayr, B., Eberle, M. (2015): Aromapflege Handbuch - Leitfaden für den Einsatz ätherischer Öle in Gesundheits-, Krankenpflege- und Sozialberufen. 3. Auflage. Pflach: Aromapflege.com
Larsen, R. (2012): Anästhesie und Intensivmedizin für die Fachpflege. 8. Auflage. Berlin Heidelberg: Springer Verlag
Werner, M., von Braunschweig, R. (2014): Praxis Aromatherapie - Grundlagen-Steckbriefe-Indikationen. 4. Auflage. Stuttgart: Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH Co KG
von Braunschweig, R. (2012): Pflanzenöle - Qualität, Anwendung und Wirkung. 4. Auflage. Wiggensbach: Stadelmann Verlag

Nachzulesen in: Norovska, Z. (2015): Implementierung und Wirtschaftlichkeit der Aromapflege auf der Intensivstation im Orthopädischen Spital Speising. In: Hand in Hand mit der Natur. Das Magazin für Aromapflege und Aromatherapie, 5. Ausgabe, S. 8-10.
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Bildverzeichnis: © aromapflege.com, Grafik: markushechenberger.net

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