Marokko - Rosenduft liegt in der Luft 08.04.2016 10:36

Marokko - Rosenduft liegt in der Luft

Geschmückte Häuser und in den Straßen einer Kleinstadt namens El-Kelâa M’Gouna in Marokko erklingen fröhliche Lieder. Überall sind nur lachende Menschen zu sehen und die Luft durchstreift ein betörender Rosenduft. Mit Gesang und Tanz wird jedes Jahr, für 3 Tage lang, ein berauschendes Fest, anlässlich der beendeten Rosenernte, gefeiert.
Das Königreich Marokko bietet auch landschaftlich viel Abwechslung, wie Wüste, Meer, Gebirge wie die Höhen des Atlas – Heimat der Atlaszeder - und einzigartige Täler. Zudem liefert uns dieses so gegensätzliche Land, ein einzigartiges Öl, welches nur im Süden Marokkos, von den dort wachsenden Arganbäumen gewonnen wird. Aber das ist nur eine von mehr als 4.600 Pflanzenarten in Marokko.

Zentrum des marokkanischen Rosenanbaus
Wir befinden uns im Süden Marokkos, in Mgouna oder M‘Gouna-Tal, gesäumt von Kasbahs (arab. Bezeichnung für Festung) und damit im Zentrum des marokkanischen Rosenanbaus. Ein Berberstamm gab dem Tal seinen Namen und es wird vom Fluss Asif M‘Goun bewässert. Ein kleines Marktstädtchen, namens El-Kelâa, ist das Ziel unseres heutigen Kopfkinos. Hier wird jedes Jahr, seit dem Jahr 1960, ein mehrtägiges Rosenfest gefeiert. Dieses ist bereits über die Grenzen Marokkos bekannt. Außerdem können viele Tanzgruppen, eine lebhafte, aufregende Atmosphäre und eine große Parade auf dem Duftfest bestaunt und besucht werden. Der Höhepunkt dieses duftenden Rosenfestes ist die Wahl der Rosenkönigin. Dieses farbenfrohe Volksfest wird jährlich von mehreren tausenden Besuchern, einheimisch wie ausländisch, frequentiert. In die besten Kleider gehüllt, überschütten sich die Festbesucher mit Rosenblättern und besprengen sich mit wohlriechendem Rosenhydrolat. Sie ziehen singend durch die Gassen und erfreuen sich u. a. über die Säbeltänze und dem „Tanz der Bienen“.

Die Rose stand am Tau es waren Perlen grau. Als Sonne sie beschienen, wurden sie zu Rubinen. Franz Rückert

Vor dem Vergnügen kommt die Arbeit
Bevor wir uns königlich gekleidet zum stimmungsvollen, traditionellen Folklorespektakel begeben können, müssen wir aber ran an die mühevolle Arbeit. Hier entstehen ein sehr sinnliches ätherisches Rosenöl, Rosenhydrolat und noch viele andere Rosenprodukte. Unter anderem werden hier auch über mehrere Tage Rosenknospen zum Trocknen aufgelegt. Die Rosenbüsche der Damaszener Rose wachsen an den südlichen Ausläufern des Hohen Atlas und deren Duft durchzieht im Frühling das ganze Tal des Dades.

Rosen bezaubern mit ihrem Duft und ihrer Farbe
Es ist jetzt ca. 4 Uhr früh, also noch vor Sonnenaufgang brechen die Rosenpflücker jeden Morgen auf, mit ihren Baumwoll- oder Jutesäcken und sammeln die Knospen und Blüten der geradezu himmlisch anmutenden „Königin der Blumen“ - diesen Namen bekam sie 600 vor Christus von der griechischen Dichterin Sappho. Welch ein Duftrausch noch vor dem Frühstück. Der Duft der unzähligen Blütenblätter und deren tolle Farbenpracht ist mit Sicherheit eine riesige Motivation für die anstrengende Arbeit. Sie bringt unser Herz zum Schwingen, Tanzen und Singen. Wehmut und Sorgen haben keinen Platz – auch nicht bei der Arbeit. Keine Duftpflanze schafft es, auf so subtile Art und Weise, uns zu berühren. Sobald aber die ersten Sonnenstrahlen über unsere Haut streichen und diese sanft erwärmen, verringert sich der ätherische Ölgehalt in den Rosenblüten und damit beendet die Sonne für heute unser Werk. Die Ernte wird gesammelt, sortiert und zur Destillation oder zum Trocknen gebracht.

Teuer – oder doch gerechtfertigt?
Immer wieder werden wir gefragt:“ Warum ist das Rosenöl so teuer?“ Nun, wem ist schon bewusst, dass wir für 1 Tropfen Rosenöl ca. 30 - 40 Rosenblüten benötigen. Oder anders gerechnet. Für 1 Liter/Kilo Rosenöl werden je nach Ölgehalt zwischen 3,5 und 5 Tonnen Rosenblüten benötigt. Ein guter Rosenpflücker schafft in den relativ kurzen Morgenstunden ca. 50 kg. Diese sind bei 5 Tonnen gerade mal 1 % des benötigten Pflanzenmateriales. In Stunden umgerechnet, sind es laut Ursel Bühring, an die 800 Pflückstunden (vgl. Fischer-Rizzi, 1999, S. 142; Werner/v. Braunschweig, 2014, S. 202; Bühring, 2011, S. 209).

Hier ist es, das Paradies, in dem ich einst lebte: Meer und Gebirge. Davon bleibt etwas ein ganzes Leben, noch vor der Wissenschaft, der Zivilisation und dem Bewusstsein. Und vielleicht werde ich dorthin zurückkehren, um in Frieden zu sterben“. Driss Chraib Schriftsteller

Kurzer Steckbrief (vgl. Werner/v. Braunschweig, 2014, S. 202-203; Wabner/Beier, 2012, S. 260-261):
Botanischer Name: Rosa x damascena Mill.
Duftnote: warm, süß, rosig, betörend
wichtigste Inhaltsstoffe: Monoterpenalkohole wie Citronellol und Geraniol, Ester wie Citronelyl- und Geranylacetat, Rosenoxid, Rosenketone u. a.
Mögliche Anwendungsgebiete: Bereits der arabische Gelehrte Abū Alī al-Husain ibn Abdullāh ibn Sīnā, besser bekannt unter den Namen Avicenna, bezeichnete den Rosenduft als „Duft der Liebe“. Der Duft vermag unser Herz zu öffnen und das ätherische Öl ist für jeden Hauttyp geeignet. Seine hautfreundlichen Eigenschaften werden gerne in Gesichts- und Hautpflegeölen eingesetzt.
Besonderheit: bei kühleren Temperaturen wird echtes Rosenöl fest

Studienbeispiel: Rosen fürs Gedächtnis
In dieser Studie konnte von Rasch et al. bestätigt werden, dass ein bestimmter Duft, wenn er beim Lernen und Schlafen präsent ist, zu einer verbesserten Gedächtnisleistung führt.
18 Probanden (gesund, beiderlei Geschlechter) spielten „Memory“ und bekamen währenddessen den Duft der Rose dargeboten. In der folgenden Nacht wurde den Studienteilnehmern, während des Tiefschlafes, wiederum Rosenduft – über eine Maske – zugeführt. Am Tag wurden ihre Erinnerungen zum Memoryspiel notiert. In der 2. Nacht wurde einem Teil der Gruppe Rosenduft und einem Teil ein Placebo (geruchlose Trägersubstanz) verabreicht. Die Gruppe mit dem Rosenduft in der 2. Nacht konnte sich deutlich besser an die Bilderpaare erinnern (97 %). Rasch et al. betonen, dass es entscheidend für die Gedächtnisbildung im Schlaf ist, wenn beim Lernen und Schlafen ein (und derselbe) Duft verwendet wird. Dies wurde in einem Kontrollexperiment dahingehend bestätigt, dass der Rosenduft beim Memoryspiel nicht dargeboten wurde und daher hatte der Duft im Tiefschlaf keinen Effekt auf die Gedächtnisleistung (vgl. Rasch et al. 2007). Es erfolgte keine Verknüpfung zwischen dem Rosenduft und dem Memoryspiel.

Tipp für ein Körperöl „1001 Nacht“:

100 ml Arganöl bio
4 Tr. Atlaszeder bio
3 Tr. Myrte bio
6 Tr. Rose Marokko 10 %, (90 % Alk.), kbA
3 Tr. Sandelholz Mysore, Ws
2 Tr. Orange süß bio

Literaturverzeichnis:

Fischer-Rizzi, S. (1999): Himmlische Düfte Aromatherapie – Anwendungen wohlriechender Pflanzenessenzen und ihre Wirkung auf Körper und Seele. 13. Ausgabe. München: Heinrich Hugendubel Verlag
Werner, M. / von Braunschweig, R. (2014): Praxis Aromatherapie – Grundlagen-Steckbriefe-Indikationen. 4. Ausgabe. Stuttgart: Karl F. Haug Verlag
Wabner, D. / Beier, Chr. (2012): Aromatherapie - Grundlagen-Wirkprinzipien-Praxis. 2. Ausgabe. München: Elsevier GmbH
Bühring, U. (2011): Alles über Heilpflanzen – erkennen, anwenden und gesund bleiben. 2. Ausgabe. Stuttgart: Eugen Ulmer KG
Rasch B, Büchel C, Gais S, Born J.: Odor cues during slow-wave sleep prompt declarative memory consolidation. Science. 2007 Mar 9;315(5817):1426-9.

Produkttipp:
Rose Marokko 10 % (90 % Alk.), kbA, Farfalla, 5 ml, ArtikelNr. F-AOR-02, € 22,50


Nachzulesen in: Deutsch-Grasl, E., Reischer, W. (2015): Marokko - Rosenduft liegt in der Luft. In: Hand in Hand mit der Natur. Das Magazin für Aromapflege und Aromatherapie, 3. Ausgabe, S. 4-5.
issuu.com/evivre/docs/aromapflegemagazin_2015-2_issuu

Bildverzeichnis: © Farfalla

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