”Superfood”- Sesam 12.04.2016 12:23

”Superfood”- Sesam

Zwar ist der Begriff „Superfood“ im Gegensatz zu „Bio“ nicht gesetzlich geschützt, aber Sesam hat diesen Marketingbegriff auf jeden Fall verdient. Sesamsamen sind ein natürliches Lebensmittel, das besonders förderlich für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden ist.

Bei den alten Völkern des Orients, Ägyptens und Asiens war Sesam als Kulturpflanze schon seit Urzeiten bekannt und beliebt. Wahrscheinlich schon vor Christi Geburt verbreitete sich seine Nutzung auch in China, in Griechenland und bei den Römern.

Nahrungs-, Genuss- und Heilmittel
In Europa fand man erst in jüngerer Zeit Gefallen daran, die aromatischen Samen auf Brot und Gebäck zu streuen, und das nicht nur auf Hamburger-Brötchen!

Auch das im Orient schon lange beliebte Sesamöl wurde erst mit dem Einzug der asiatischen Küche bei uns bekannt.
Wichtig ist dabei zwischen dem hellen und dem dunklen Sesamöl zu unterscheiden. Beides stammt zwar aus dem gleichen Samen, aber es durchläuft verschiedene Herstellungsverfahren. Die Farbe der Samenkörner ist nämlich nicht ausschlaggebend für die Ölfarbe.
Sesamsamen können je nach Sorte von hellbeige über alle Brauntöne bis hin zu schwarz gefärbt sein, doch wenn sie geschält werden, sind sie alle cremeweiß. Der ungeschälte Sesam ist natürlich vollwertiger, schmeckt aber etwas bitterer als der geschälte. Im Naturkosthandel ist Sesammus „Tahin“ aus geschältem und ungeschältem Sesam erhältlich. Zur Ölherstellung wird immer der ungeschälte Sesam verwendet.

Der Unterschied in der Farbe des Öls hängt davon ab, ob die Saat vor dem Pressvorgang geröstet wurde oder nicht.
Logischerweise ist das native Sesamöl aus naturbelassener Saat das gesündere Produkt. Es ist blassgelb und wunderbar mild-nussig im Geschmack. Dadurch ist es sowohl in der Küche, wie in Körperpflegeprodukten vielseitig einsetzbar.

Das Kürbiskernöl der Asiaten
Das dunkle Sesamöl, aus geröstetem Sesam, hat einen deutlichen Röstgeruch- und -geschmack. Wie stark dieser ist, hängt wiederum mit dem Röstgrad zusammen. Gute Bio-Ölmühlen rösten die Samen möglichst schonend bei niedrigen Temperaturen. Das ergibt ein vergleichsweise helles Produkt mit einer feinen, angenehmen Röstnote, die perfekt zu orientalischen und asiatischen Gerichten passt. Dagegen ist das original asiatische, stark geröstete Sesamöl sehr dunkel und hat, wie ich finde, einen fast angebrannten Geschmack, weshalb dieses nur sparsam verwendet wird. Es ist außerdem damit zu rechnen, dass bei sehr hohen Rösttemperaturen viele wertvolle Bestandteile des Öls zerstört werden und sogar krebserregende PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) entstehen können.

Uralte Therapie für moderne Leiden
In der Ayurveda-Lehre spielt Sesamöl seit jeher eine bevorzugte Rolle. Es gilt als bewährtes Mittel gegen praktisch jedes Übel. Der Ayurveda rühmt seine heilende und wärmende Kraft, seine wohltuende Wirkung auf Haut und Haare, auf Verdauung und Geist.
Traditionell wird es vor der Verwendung als Massageöl „gereift“, das bedeutet, kurz auf 100 °C bis 110 °C erhitzt. Vermutlich hat man früher mit dieser Maßnahme, vorhandenes Wasser und Mikroben aus dem Öl entfernt, wodurch es besser haltbar wurde.

Bei sorgfältiger Herstellung erübrigt sich aber heutzutage diese Vorsichtsmaßnahme. Der Ayurveda empfiehlt Sesamöl als bestes Öl zur Abhyanga - Massagetherapie. Diese hilft dem Körper „Abfallprodukte“ auszuschwemmen und den ganzen Organismus zu regenerieren. Dabei macht man sich die erwärmenden und tief in die Haut eindringenden Eigenschaften des Öls zu Nutze, um die Ablagerungen (wie z. B. Schwermetallionen und organische Lösungsmittel) in den Körpergeweben zu mobilisieren. Diese können dann mit dem großzügig verwendeten Sesamöl ausgeschleust werden. Wie Sie sich die wertvollen Eigenschaften des Sesamöls, neben der großzügigen Anwendung als Körperöl, noch zunutze machen können, zeigt Ihnen unser Expertentipp „Ölziehen“.

In meinem eigenen Bekanntenkreis habe ich eine interessante Geschichte erfahren, die diese These bestätigt: Ein Mann, der beruflich mit Farben und Lacken zu tun hatte, machte eine Ayurveda-Kur. Für die dazugehörigen Ganzkörpermassagen wird ja reichlich Sesamöl verwendet, von dem er sich vorab eine kleine Menge abfüllte. Auch von dem, an ihm zur Massage verbrauchten Öl, sammelte er ebenfalls ein Fläschchen voll ein und schickte beides in ein Labor zur Analyse. Und siehe da! Zu seiner eigenen Überraschung war die „benutzte“ Probe voller Lösungsmittel, das frische Öl nicht!

Arterien, öffnet Euch!
Wer zu hohen Blutdruck hat, sollte auf Empfehlung der „Inter American Society of Hypertension“ verstärkt Sesamöl zu sich nehmen. In einer Studie hatten die Teilnehmer, die zusätzlich zu Ihren blutdrucksenkenden Medikamenten 2 Monate lang täglich im Durchschnitt 35 g Sesamöl zu sich nahmen, einen bedeutend niedrigeren systolischen und diastolischen Wert, wie vor der Einnahme¹.
Das Öl der kleinen Samen kann also eine große Rolle dabei spielen, Ihr Herz-Kreislaufsystem gesund zu halten!

Innere Werte
Sesamöl besteht zu über 80 % aus ein- und zweifach ungesättigten Fettsäuren und steckt voller wertvoller Fettbegleitstoffe. Besonders hervorzuheben ist der hohe Gehalt an Phytosterolen. Diese cholesterinähnlichen Pflanzenstoffe helfen, die Aufnahme des Cholesterins aus der Nahrung zu verringern. Auch Lecithin, für die geistige Fitness, ist zur Genüge vorhanden.
Besonders interessant sind aber zwei antioxidative Substanzen, die für das Sesamöl charakteristisch sind, nämlich das Sesamin und das Sesamolin. Diese gehören zu den Lignanen und bewirken eine ausgesprochen gute Haltbarkeit des Öls, weshalb es sich auch hervorragend für den Einsatz in Körperpflegeprodukten eignet.

Sesamöl dringt zudem gut in die Haut ein und kann deshalb als Trägeröl für besondere Wirkstoffe verwendet werden. Sesamöl wird schnell von der Haut aufgenommen und hinterlässt ein samtiges, nicht öliges Gefühl. In Indien wird es auch zur Babymassage verwendet. Oft wird dem Öl ein geringer Lichtschutzfaktor nachgesagt, der aber, für die heutige Sonnenintensität, alleine auf keinen Fall ausreichend ist.

¹ vgl. http://www.medizinkorrespondenz.de/sesamoel-senkt-zu-hohen-blutdruck/


Expertentipp: Ölziehen
Einfach mal ausprobieren und zum Morgenritual machen!

Morgens, nach dem Aufstehen, einfach 1 EL kalt gepresstes fettes Pflanzenöl in den Mund nehmen. Je nach Geschmacksvorliebe kann das z. B. Sesam- oder Sonnenblumenöl sein. Das Öl wird jetzt für ca. 5 - 10 Minuten im Mund zwischen den Zähnen hin und her „geschlürft“, ähnlich wie bei einer Weinprobe. Das Öl bitte nicht verschlucken, sondern unbedingt nach der „Schlürfzeit“ ausspucken (am besten in einen Ölsammelbehälter/Biomüll). Anschließend den Mund mit warmen Wasser gründlich spülen und die Zähne putzen. Auf diese Art können die im Mund abgelagerten Stoffe gelöst und vom Öl aufgenommen und durch das Ausspucken auch entsorgt werden. So könnt Ihr Eure Mundschleimhaut und Euer Zahnfleisch stärken und Unannehmlichkeiten vorbeugen. Zudem könnt Ihr mit so einer einfachen Maßnahme Euer Immunsystem stärken. Also einfach ausprobieren und Ihr werdet das angenehme Mundgefühl nicht mehr missen wollen!


Literaturverzeichnis:
Tiwari, M. (1996): Das große Ayurveda Handbuch. Die Geheimnisse des Heilens. Das umfassende Praxisbuch über alle Wirkungsweisen und Anwendungsbereiche von Ayurveda. 1. Auflage. Oberstdorf: Windpferd Verlagsgesellschaft mbH
www.lebensmittel-warenkunde.de/lebensmittel/fette-oele

Autorin:
Sabine Pohl ist Diplom-Agraringenieurin, Naturkost- und Ernährungsexpertin. Sie hat sich profunde Kenntnisse im Bereich Anbau, Verarbeitung und Vermarktung von hochwertigen Pflanzenölen angeeignet und selbst ein besonders schonendes Herstellungsverfahren (Omega Safe) für Öle entwickelt. Seit vielen Jahren gibt sie Ihr Wissen in Seminaren, Vorträgen und Schulungen weiter. Ihr Anliegen ist es, Fach- und Praxiswissen leicht verständlich und anschaulich zu vermitteln.

Seminartipp:
Fette Pflanzenöle – Schätze der Natur

» Die vielen Talente der Pflanzenöle – oder warum es so wichtig ist, die richtigen Fette zu essen! «
Nachdem Fette in unserer Ernährung lange Zeit als Dick- und Krankmacher verschrieen waren, ist es an der Zeit für eine Neubewertung des zu Unrecht verteufelten Nährstoffs. Heute weiß man: wir müssen nicht in erster Linie an der Menge sparen, sondern die richtigen Pflanzenöle zu uns nehmen, um gesund und vital zu bleiben! Welche das sind, wie sie wirken, und wie viel wir davon brauchen, beleuchten wir in diesem Seminar.

Dauer/Zeit: 1 Tag / 9.00 - 17.00 Uhr in Wien
Zielgruppe: Alle Interessierte
Gebühr: € 125,-- inkl. 20 % MwSt, Seminarunterlagen, Arbeitsmaterial und Pausengetränke
www.aromapflege.com/Schule?sid=1

Buchtipp:
Weitere wertvolle Informationen rund um das spannende Thema „Fette Pflanzenöle“ findet Ihr im Buch „Das Ölbuch – Pflanzenöle kompakt erklären“ von Sabine Pohl, 83 Seiten, Stadelmann Verlag, 2. Auflage, ArtikelNr. B07, € 10,20


Nachzulesen in: Pohl, S. (2016): ”Superfood”- Sesam. In: Hand in Hand mit der Natur. Das Magazin für Aromapflege und Aromatherapie, 6. Ausgabe, S. 24-26.
issuu.com/evivre/docs/aromapflegemagazin_2016-6_issuu/1

Bildverzeichnis: © Swapan - Fotolia.com, © supersaiyan3/Shutterstock.com; © tiwakorn - Fotolia.com

2 Klicks für mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie können Ihre Empfehlung senden. Erst beim Aktivieren werden Daten an Dritte übertragen.