Omega Safe - ein Verfahren zur Ölgewinnung, das keine Wünsche offen lässt! 06.04.2016 12:48

Omega Safe - ein Verfahren zur Ölgewinnung, das keine Wünsche offen lässt!

Ende der neunziger Jahre, wollte ich in meiner damaligen Funktion als Verkaufsleiterin einer großen deutschen Naturkostfirma, ein neues Pflanzenöl in unser Sortiment aufnehmen – Leinöl, ein in Vergessenheit geratener Klassiker unter den einheimischen Speiseölen.

Ich hatte bei meinen Reisen in die USA im dortigen „health food market“ den Beginn der Omega-3 Welle und der daraus resultierenden Renaissance des Leinöls miterlebt. Dieses super-gesunde Öl mussten wir als deutscher Marktführer im Bio-Öl-Bereich unbedingt führen!

Allerdings, bereitete mir die kurze Haltbarkeit des Produktes Kopfzerbrechen. Wie konnte es gelingen ein Öl, dass aufgrund seines hohen Anteils an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, nur eine relativ kurze Haltbarkeit hat, den langen Weg von der Herstellung, über den Großhandel und Einzelhandel, ohne Wertverlust bis zum Verbraucher gelangen zu lassen?

Zerstörende Einflussfaktoren
Wenn man Pflanzenöle haben möchte, die den höchsten Ansprüchen an Qualität und Gesundheit Rechnung tragen, dann muss man sie besonders schonend verarbeiten.
Die Industrie möchte in erster Linie lange Haltbarkeit und neutralen Geruch und Geschmack, und nimmt dafür in Kauf, dass die Öle ihrer wertgebenden Inhaltsstoffe beraubt werden.

Wie Licht, Luft und Wärme Öle zerstört
Oft ist nicht bekannt, dass Licht, also der Einfluss von UV-Strahlen, auf die ungesättigten Fettsäuren verheerend ist. Jeder Lichtstrahl kann eine Kettenreaktion im Molekül auslösen, bei der Freie Radikale entstehen, die unseren Organismus schädigen können. Ist dann auch noch Luft, oder vielmehr der darin vorhandene Sauerstoff vorhanden, setzten Oxidationsprozesse ein, die das Öl in kürzester Zeit zerstören können. Je wärmer das Öl ist, umso schneller laufen diese zerstörerischen Reaktionen ab.

Die Zahlen beschreiben den Faktor, um den die jeweilige Fettsäure schneller oxidiert.
Quelle: Belitz, H.-D., Grosch, W. (1987): Lehrbuch der Lebensmittelchemie. 3. Auflage. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag

Was ist zu tun?
Meine Wunschvorstellung war, eine optimale Herstellungsmethode zu finden, welche diese schädlichen Einflussfaktoren, soweit als möglich, ausschließt. Es musste doch möglich sein, Öle so schonend zu pressen und abzufüllen, dass sie ihre gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe möglichst unverfälscht und möglichst lange beibehalten würden?! Da es solche Ölpressen nicht fertig zu kaufen gibt, brauchte es einen findigen Techniker, der meine Idee in die Praxis umsetzen konnte. Eine bestehende Presse wurde so umgebaut und modifiziert, dass nun der gesamte Pressvorgang unter Licht- und Luftabschluss stattfindet und auch keine Hitze entstehen kann. Abschließend wird das Öl, ebenfalls unter Ausschluss von Sauerstoff und Licht, schonend gefiltert und abgefüllt (vgl. Pohl, 2007, S. 49).

Geschlossenes System
1.    Als Rohstoff für die Ölpressung werden ausschließlich keimfähige Nüsse und Saaten aus kontrolliert biologischem Anbau verwendet, die sorgfältig gereinigt wurden.
2.    Die Nüsse und Saaten werden anschließend in einer Schneckenpresse, unter Licht- und Luftausschluss bei niedrigen Temperaturen gepresst. Es werden jeweils nur kleine Mengen wöchentlich frisch gepresst.
3.    Das auslaufende Öl wird in einem geschlossenen System aufgefangen und läuft ohne Außenkontakt in einen Sammelbehälter, wo sich die Feststoffe absetzen können.
4.    Das fertige Öl wird unter Schutzgas (das bedeutet unter Sauerstoff-Ausschluss) in dunkle Flaschen abgefüllt.
5.    Ohne vorher lange in einem Ladenregal dem Licht und der Wärme ausgesetzt gewesen zu sein, gelangt das frische Öl direkt zum Konsumenten.

Besser geht`s nicht!
Ein im Omega-Safe-Verfahren hergestelltes Öl ist theoretisch in der Flasche im gleichen, ursprünglichen Zustand, wie es im keimfähigen Samen oder der Nuss vorlag.
Es wird von dem Zeitpunkt an, wenn die schützende Schale beim Pressen geöffnet wird, bis zum Öffnen der Flasche beim Endverbraucher, vor schädigenden Umwelteinflüssen geschützt. Ein derart schonendes Verfahren, bietet sich für die Herstellung besonders hochwertiger Öle im Naturkost- und Naturkosmetikbereich an. Es handelt sich aus Qualitätsgründen um eine kleine Prozesstechnik mit begrenzter Kapazität. Der damit verbundene hohe Aufwand bietet sich in erster Linie für besonders empfindliche Pflanzenöle mit einem besonders hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren an. Wie z. B. die fetten Öle aus Borretsch-, Lein-, Nachtkerze-, oder auch aus den Hagebuttenkernen.

Die Wunderwaffen der Natur Omega-Safe-Öle dienen nicht nur als Lebensmittel, sondern auch als Heilmittel und in der Körperpflege unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden.
Diese „rohköstlichen“ Pflanzenöle stecken voller sekundären und bioaktiven Pflanzeninhaltsstoffen, die für den Menschen außerordentlich gesund und wertvoll sind, wie z. B.: Phytosterine, Carotinoide, Tocopherole, Polyphenole. Der vorbeugende und therapeutische Nutzen dieser wertvollen Substanzen wird mittlerweile intensiv erforscht, aber kein Labor kann sie in der Komplexität nachbauen, wie sie uns von der Natur in einem sorgsam hergestellten, naturbelassenen Pflanzenöl geschenkt wird (vgl. Pohl, 2007, S. 54 - 56).

Borretsch - Wertvolles Gartenkraut Der Borretsch (Borago officinalis) ist eine einjährige Pflanze, die den ganzen Sommer über blüht. Die wunderschönen blauen Blüten werden gerne von Bienen und Hummeln besucht. Im Mittelmeerraum wächst der Borretsch wild. In unsere Gärten kam er schon im Mittelalter, wo er bald eine beliebte Gewürzpflanze („Gurkenkraut“) wurde. Aber auch in der Volksheilkunde war „Herba et Flores Borraginis“ ein beliebtes Volksheilmittel, vor allem bei seelischen Leiden, bei Schwermut und Traurigkeit (vgl. Küster, 1987, S. 48).

Wer Borretsch isst, soll gute Träume haben
Das glaubte man im Mittelalter. Heutzutage ist das wertvolle Öl, das in den Samen enthalten ist, mehr in den Focus der Heilkunde getreten. Darin enthalten ist besonders viel der Gamma-Linolen-Fettsäure (20 - 25 %), die man auch im Nachtkerzenöl (9 %) findet.

Die Gamma-Linolensäure ist maßgeblich an der Barrierefunktion der Haut und ihrer Feuchtigkeitsspeicherung beteiligt. Sie hält die Haut geschmeidig und gesund und ist ein Ausgangsstoff für Gewebshormone wie Prostaglandine. Besonders das Prostaglandin E hat dabei eine immunregulierende und entzündungshemmende Funktion (vgl. Pohl, 2007, S. 62 und 67).

Hilfe bei trockener und gereizter Haut
Normalerweise kann unser Körper Gamma-Linolensäure selber herstellen. Im Alter und bei Neurodermitis-Patienten besteht aber oft ein Enzymmangel, wodurch die Umwandlung von essenzieller Linolsäure in Gamma-Linolensäure nur unzureichend stattfindet. Durch den Mangel verliert die Haut Feuchtigkeit und wird schuppig und rissig (vgl. Horrobin, 2000).

Die im Borretschsamenöl enthaltene Gamma-Linolensäure hilft, innerlich und äußerlich angewandt, der Haut den Aufbau der natürlichen Barrierefunktion zu fördern und damit geplagte Haut zu lindern.
Auch bei PMS (Prämenstruelles Syndrom), oder einem gestörten Hormonhaushalt, kann Borretschsamenöl hilfreich sein (vgl. Pohl, 2007, S. 62).

Empfohlene Dosierung:
Innerlich: Kurmäßig über einen Zeitraum von 8 Wochen ½ TL, bis zu dreimal täglich.
Äußerlich: Mit einem Anteil von bis zu 10 % mit einem Trägeröl (z. B. Mandelöl) mischen.

Fettsäuren (FS) Analyse (Angaben können schwanken, vgl. Pohl, 2007, S. 57):

 20 % GLS
 37 % Linolsäure
 28 % Ölsäure
 15 % gesättigte FS
1,5 % Fettbegleitstoffe


Literaturverzeichnis:
Küster, H. (1987): Kleine Kulturgeschichte der Gewürze. 1. Auflage. München: C.H.Beck Verlag
Pohl, S. (2007): Das Ölbuch – Pflanzenöle kompakt erklärt, 3. Auflage. Selbstverlag
www.aromapflege.com/Das-OElbuch-Pflanzenoele-kompakt-erklaert-Sabine-Pohl
Essential fatty acid metabolism and its modification in atopic eczema. Horrobin DF. Laxdale Research Großbritannien. Am J Clin Nutr, Jan 2000;71(1 Suppl):367-72

AUTORIN:
Sabine Pohl ist Diplom-Agraringenieurin, Naturkost- und Ernährungsexpertin. Sie hat sich profunde Kenntnisse im Bereich Anbau, Verarbeitung und Vermarktung von hochwertigen Pflanzenölen angeeignet und selbst ein besonders schonendes Herstellungsverfahren (Omega Safe) für Öle entwickelt. Seit vielen Jahren gibt sie Ihr Wissen in Seminaren, Vorträgen und Schulungen weiter. Ihr Anliegen ist es, Fach- und Praxiswissen leicht verständlich und anschaulich zu vermitteln.

Seminartipp:
Fette Pflanzenöle »Die vielen Talente der Pflanzenöle - oder warum es so wichtig ist, die richtigen Fette zu essen!«

Nachdem Fette in unserer Ernährung lange Zeit als Dick- und Krankmacher verschrieen waren, ist es an der Zeit für eine Neubewertung des zu Unrecht verteufelten Nährstoffs. Heute weiß man: Wir müssen nicht in erster Linie an der Menge sparen, sondern die richtigen Pflanzenöle zu uns nehmen, um gesund und vital zu bleiben! Welche das sind, wie sie wirken, und wie viel wir davon brauchen, beleuchten wir in diesem Seminar.

Dauer/Zeit: 1 Tag / 9.00 - 17.00 Uhr in Wien
Zielgruppe: Alle Interessierte
Gebühr: € 125,-- inkl. 20 % MwSt, Seminarunterlagen, Arbeitsmaterial und Pausengetränke

Nachzulesen in: Pohl, S. (2015): Omega Safe - ein Verfahren zur Ölgewinnung, das keine Wünsche offen lässt! In: Hand in Hand mit der Natur. Das Magazin für Aromapflege und Aromatherapie, 2. Ausgabe, S. 6-7.
issuu.com/evivre/docs/aromapflegemagazin_2015-1_issuu

Bildverzeichnis: FPicture Partners - Fotolia.com, Grafiken: markushechenberger.net

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