Die Lärche - ein außergewöhnlicher Nadelbaum 11.04.2016 16:42

Die Lärche - ein außergewöhnlicher Nadelbaum

Die europäische Lärche (Larix decidua Mill.) gehört zur Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) und war nicht nur Baum des Jahres 2012 in Deutschland und 2002 in Österreich, sondern sie ist der einzige europäische Nadelbaum, deren Nadeln sich im Herbst goldgelb färben und letztendlich abfallen, daher leitet sich der Name „decidua (laubabwerfend)“ ab. Sie benimmt sich also ganz und gar nicht so, wie es ein Nadelbaum sollte.

Die Gallier gaben diesem besonderen Baum den Namen „Larix“ und dieser wurde von den Römern ins Lateinische übernommen. Im Althochdeutschen wurde aus „larix“ „lericha“, welches im Mittelhochdeutschen zu „larche“ oder „lerche“ und zu guter Letzt im Neuhochdeutschen zu „Lärche“ verändert wurde1. Fossile Funde belegen, dass sich die Lärche vor rund einer Million Jahren von Sibirien nach Europa ausgebreitet hat (vgl. Häne, 2012, S. 203). Sie hält eine Kälte von bis zu minus 40 Grad Celsius aus und bildet zusammen mit der Zirbe die Waldgrenze in den Zentralalpen. Das Höchstalter, dieses extrem frostbeständigen Baumes, beträgt etwa 1.000 Jahre und er wird durchschnittlich 30 Meter (max. 54 Meter) hoch (vgl. LWF Wissen 69, 2012, S. 7-9, 11).

Buntes Farbenspiel
Der botanische Eigenbrötler bietet uns im Frühjahrskleid ein zartes Hellgrün, wenn seine frischen Nadeln in kleinen Büscheln hervorsprießen. Zwischen März und Mai fügt er auch noch gelbliche herabhängende männliche Blüten und leuchtend rote, aufrecht stehende weibliche Zapfen als Farbtupfer hinzu. Letztere entwickeln sich weiter zu den Samen tragenden, braunen Zapfen. Während der Sommermonate wechselt der Licht liebende Baum sein Outfit in ein sattes Dunkelgrün. Zu einem flammenden, warmen Goldton wechselt er dieses im goldenen Herbst.
Der „Sommergrüne“ kann aber noch mit einer weiteren Besonderheit aufwarten. Während andere Kiefernbäume ihre Zapfen fallen lassen, behält die Lärche ihre für mehrere Jahre.

In Österreich kommt auch vereinzelt die „japanische“ Lärche (Larix kaempferi (Lamb.) Carrière) vor, diese ist jedoch am einfachsten durch ihre umgebogenen Zapfenschuppen – ähnlich der Rosenblütenblätter - von der „gemeinen“ Lärche zu unterscheiden.

Die Lärche als Lieferant
Die gemeine Lärche liefert uns nicht nur ein sehr witterungsbeständiges Holz, sondern der Baum spendet uns auch ein wertvolles Harz. Wenn ein Baum wie die Lärche, Kiefer oder Fichte verletzt wird, aktiviert er seine eigene Hausapotheke und produziert mit dem Harz seinen „hauseigenen“ Wunderverschluss (vgl. Schnabl, 2001, S. 3). Genau diese und noch weitere Wirkungen der Harze, haben sich bereits unsere Vorfahren schon zunutze gemacht. Die ergiebigste Zeit für die Harzgewinnung ist zwischen dem 80sten und 120sten Geburtstag der Lärche. Für ca. 10 bis 15 Jahre, nach spezieller Anbohrung der Lärche, kann das Harz gewonnen werden (vgl. LWF Wissen 69, 2012, S. 79). In einem Erntejahr (Mai bis September) kann von einem Spenderbaum etwa 200 bis 370 g Harz geerntet werden (vgl. LWF Wissen 69, 2012, S. 80).

Lange Tradition
Obwohl die Harzgewinnung in Österreich eine lange Tradition hat, verliert der Beruf des Pechers zunehmend an Attraktivität und Bedeutung. Waren es 1950 noch 40 bis 50 Tonnen Lärchenbalsam, so ist die Gewinnung auf 4 Tonnen im Jahr 2000 zurückgegangen (vgl. Schnabl, 2001, S. 38).

Lärchenharzgewinnung heute – Venezianisches Terpentin
Aus der Lärche wird das sogenannte „Venezianische Terpentin“ gewonnen. Es ist ein hochwertiger Balsam, welcher aufgrund seiner besonderen Eigenschaften immer noch sehr vielfältig in Industrie und „Volksmedizin“ eingesetzt wird.

Seit der Einführung des sogenannten „(Süd-)Tiroler Verfahrens“ – Ende des 19. Jahrhunderts – wird das Harz in einem geschlossenen Speicherraum gesammelt, sodass es nicht mit der freien Luft in Berührung kommt. Das Leitmotiv dieses Verfahrens besteht darin, Harzverluste klein zu halten oder zu vermeiden und eine Schädigung des Baumes, zu verhindern (vgl. Schnabl, 2001, S. 66). Der schräg abwärts verlaufende Bohrkanal wird im Frühjahr durchgeführt. Die Bohröffnung, welche als Sammelraum für das Harz dient, wird mit einem Lärchenholzstopfen sorgfältig verschlossen. Da der Balsam der Lärche nur sehr gering kristallisiert, kann die Bohröffnung während der gesamten Pechzeit genutzt werden. Durch dieses Verfahren kann ein heller, reiner (nicht so stark verunreinigter) Lärchenbalsam gewonnen werden (vgl. Schnabl, 2001, S. 66-67; Lagoni, 2012, S. 79–81). Eine Entnahme des Harzes erfolgt in der Regel alle 2 Jahre.

Vom Lärchenharz zum Terpentin
Nachdem das natürliche Lärchenharz gereinigt, mehrfach filtriert und leicht erwärmt wurde, wird es durch das Dekantieren in Lärchenterpentin überführt. Das Terpentin ist eine klare, gelblich bis grüne, schwach zähe Flüssigkeit. Es hat einen feinen aromatischen Geruch. Natives Lärchenterpentin enthält 15 bis 20 % ätherische Öle, etwa 50 bis 65 % unterschiedliche Harzsäuren (Diterpensäuren), Bitter- und Farbstoffe sowie Wasser. Die Lagerung des Terpentins erfolgt gut verschlossen und vor Licht geschützt (vgl. LWF Wissen 69, 2012, S. 80).

Schön langsam werdet Ihr Euch vielleicht fragen, ja warum erzählen wir Euch das denn nun? Wir freuen uns, dass wir Euch in Zukunft ein neues, lang ersehntes Produkt in der Serie „Aromapflegeprodukte Evelyn Deutsch“ anbieten können.

Die „Harzsalbe“
Der römische Dichter und Naturforscher Plinius (24 - 79 n. Chr.) berichtete bereits in seiner „Naturalis historiae“ über die Verwendung einer Lärchenharzsalbe. Die Basis für dieses neue Produkt aus der Aromapflegeserie Evelyn Deutsch bildet das Ringelblumen Ölmazerat. Es verbindet besonders wertvolle Eigenschaften des Olivenöles und der Ringelblume. Es unterstützt hervorragend die Pflege empfindlicher und irritierter Haut und regt den Hautstoffwechsel an. In Kombination mit dem Lärchenharz und dem fetten Pflanzenöl aus dem Fruchtfleisch des Sanddorns wird die Regeneration der Haut unterstützt (vgl. v. Braunschweig, 2010, S. 119). Die Harzsalbe schützt vor wund sein, ist stark regenerierend und pflegend, z. B. bei schlecht heilenden Wundrändern, Abschürfungen o. a.. Bei Bedarf auf die betroffene Stelle sanft auftragen.
Wir freuen uns sehr über die wertvolle Harzsalbe, freuen Sie sich über die Erfolge damit.

1 www.uni-goettingen.de/de/taxonomie-und-namensherkunft/101726.html[6.7.2015]

Literaturverzeichnis:
Häne, K. (2012): Unter der Lupe: Die Lärche – der Baum des Jahres 2012. Seengen: Schweizer Briefmarken Zeitung SBZ, 5-6/2012, S. 203-206
LWF Wissen 69 (2012): Beiträge zur Europäischen Lärche. Freising: Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft
Schnabl, U. (2001): Vom Glück mit dem Pech (die traditionelle Nutzung und Gewinnung pflanzlicher Rohstoffe und Arbeitsmaterialien am Beispiel der österreichischen Harzgewinnung). Diplomarbeit am Institut für Botanik der Universität Bodenkultur Wien
Unterhofer, E. (2010): Das Lärchenharz und seine Bedeutung in der Naturheilkunde. Facharbeit
von Braunschweig, R. (2010): Pflanzenöle, Qualität, Anwendung und Wirkung. 4. Auflage. Wiggensbach: Stadelmann Verlag
Lagoni, N. (2012): Vom Lärchenharz zum Terpentin bis Lärchenöl. LWF Wissen 69, S. 79-81
www.uni-goettingen.de/de/taxonomie-und-namensherkunft/101726.html


Nachzulesen in: Deutsch-Grasl, E., Reischer, W. (2015): Parfum - eine Symphonie der Düfte. In: Hand in Hand mit der Natur. Das Magazin für Aromapflege und Aromatherapie, 4. Ausgabe, S. 16-17.
issuu.com/evivre/docs/aromapflegemagazin_2015-4_isuu

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