Mikrokosmos Haut - Hautpflege – Fette Pflanzenöle versus Mineralöle 12.04.2016 10:02

Mikrokosmos Haut - Hautpflege – Fette Pflanzenöle versus Mineralöle

Was erwartet man eigentlich von einer Hautpflege? Der Verbraucher wünscht sich vorrangig, dass die Haut am besten bis zum Lebensende jung, schön und faltenfrei ist. Nun gibt es die vielfältigsten Strategien, um einen vermeintlichen Hautalterungsprozess aufzuhalten. Gerade bei der „konventionellen Chemie-Kosmetik“ sind die Methoden teilweise effektiv, aber auch sehr drastisch und gesundheitlich mehr als fragwürdig. Sie muss kritisch hinterfragt werden, denn es stellt sich die Frage, wie gesund sind diese Produkte überhaupt. Soll eine Hautpflege primär der Hautgesundheit dienen oder vorrangig eine Symptombehandlung sein.  

Man darf bei einer Hautpflege nicht vergessen, dass die Haut ein lebenswichtiges Immunorgan ist. Die Haut im eigentlichen Sinne besteht aus der Oberhaut (Epidermis) und der Lederhaut (Dermis). Sie nehmen gemeinsam zahllose immunologische Aufgaben wahr. Es ist das Haut-Immun-System (Skin-Immun-System = SIS). Es ist ein lebenswichtiger Teil des Gesamt-Immunsystems des Körpers und sie beeinflussen sich gegenseitig. Das bedeutet: Ist das Hautimmunsystem geschwächt, so wirkt sich das auch auf die anderen Immunsysteme des Körpers aus! Ist das Haut-Immunsystem jedoch stark, so profitiert auch das Gesamt-Immunsystem(vgl. von Braunschweig, 2012, S. 155 - 157).

Besondere Bedeutung kommt der hauchdünnen Epidermis zu. Praktisch alle Bestandteile der Epidermis erfüllen zahlreiche immunologische Aufgaben. Geschützt wird die Epidermis von einem einzigartigen Oberflächenfilm, dem Hydrolipidmantel (HLM), der zum angeborenen Immunsystem gehört (vgl. Heymann, 2003). Die unterschiedlichsten Lipide wie u. a. Fette, Öle, Wachse und freie Fettsäuren bilden den HLM und schützen die Haut u. a. vor Austrocknung, krankmachenden Keimen oder Fehlbesiedelungen. Die Lipide haben eine mild antibakterielle, antimykotische und antivirale Wirkung. Freie Fettsäuren säuern u. a. den HLM an. Diese äußerst wichtige Schutzhülle wird völlig unterschätzt und sollte gut gepflegt werden!

Zahllose lebenswichtige Mikroorganismen besiedeln seit Geburt an unsere Haut. Diese intakte Hautflora (physiologische Keime), gehört zum angeborenen Immunsystem. Wir Menschen bieten den Mikroorganismen einen wunderbaren, nährstoffreichen Lebensraum. Lieblingsspeisen sind u. a. Schweiß, Hautschüppchen, Talg und Lipide sowie leckere Abbauprodukte wie z. B. Fettsäuren und Glycerin. Im Gegenzug schützen uns diese Keime. Sie produzieren u. a. saure Stoffwechselprodukte und säuern den HLM an, sodass Fremdkeime einen wenig attraktiven Lebensraum vorfinden. Sie produzieren antimikrobielle Substanzen gegen krankmachende Keime und Fremdkeime. Daneben sind sie wirkungsvolle Trainingspartner des epidermalen Immunsystems (vgl. von Braunschweig, 2012, S. 156-160).

Barrieren der Hornschicht – ein genialer Schutzwall
Ein genialer Schutzwall ist die Hornschicht mit ihren Hornschichtbarrieren. Sie gehören ebenfalls zum angeborenen Immunsystem. Zwischen den Hornzellen befindet sich eine hoch geordnete Lipidschicht (Lipid-Doppelschicht), die die Zellen zusammenhält. Sie wird oft als „Zellmörtel“ bezeichnet. Mit ihr steht und fällt die Hautgesundheit. Ist die Lipidschicht zwischen Zellen gestört, „löchrig“, so wird die Haut trocken, rau, empfindlich und neigt zu Entzündungen, allergischen Reaktionen und vielen anderen Hautproblemen. Fremdkeime und Stoffe gelangen in tiefere Schichten und treiben dort ihr Unwesen. Wohl der wichtigste Baustein der Barrieren ist das linolsäurehaltige Ceramid I. Viele Hautprobleme und Erkrankungen beruhen auf gestörten Barrieren (vgl. Lautenschläger, 2011).

Epidermales Immunsystem
Ca. 90 % der Epidermiszellen sind Keratinozyten. Sie bilden nicht nur mechanische Barrieren, sondern sind echte Immunspezialisten (vgl. Heymann, 2003). So bekämpfen sie u. a. Keime mit antimikrobiellen Substanzen (vgl. Heymann, 2003), um Fremdkeime sofort zu vernichten. Mit Hilfe von Botenstoffen (Zytokinen) „rufen“ sie andere Immunzellen heran, um vor Ort Mikroben zu bekämpfen. Es liegt auf der Hand, dass dieses System gut geschützt werden muss!

Mineralöle versus fette Pflanzenöle
Zur Hautpflege werden neben Pflanzenölen vorrangig Mineralöle verwendet, die von vielen Fachleuten favorisiert werden. Unter dem Begriff Paraffine oder Mineralöle versteht man eine Vielfalt verschiedenster Rohstoffe wie Paraffin, Paraffinum liquidum, Petrolatum oder Cera microcristallina. Es sind alles Erdölprodukte und entstammen aus den Retorten der Erdölchemie. Mineralöle sind keine echten Fette, sondern gehören zur Stoffgruppe der Alkane (gesättigte Kohlenwasserstoffe) (vgl. von Braunschweig, 2012, S. 163).

Die anscheinend nicht giftigen, verträglichen und pflegeleichten Produkte sind ausgesprochen problematisch. Sie vermitteln ein „wunderbares“ Hautgefühl und es gibt kaum Allergien, denn die reaktionsträgen Moleküle sind nicht stoffwechselaktiv. Außerdem sind sie sehr haltbar und preiswert (vgl. Lautenschläger, 2011). Aber was ist so problematisch an diesen Ölen und Fetten? Es sind körperfremde (unphysiologische), reaktionsträge Stoffe. Sie sind nicht stoffwechselaktiv und haben keinen Wirkstoffcharakter. Kein Organismus hatte je das Bedürfnis, Erdöl innerlich oder äußerlich zu sich zu nehmen. D. h., sie kennen die Stoffe nicht und sind dem Organismus daher evolutionsbiologisch völlig unbekannt. Es gibt keine maßgeschneiderten Enzyme, Erdölprodukte um-, auf- und abzubauen.

Auch die Epidermis besitzt keine Strategie, wie man mit Mineralölen umgehen kann. Diese Fremdkörper pflegen den HLM nicht, der pH-Wert ist nicht optimal. Mineralöle sind nicht antimikrobiell, sodass es zu Fehlbesiedelungen des HLM kommen kann.

Mineralöle bieten bildlich gesprochen, der Hautflora kein gutes „Zuhause“, sodass die Hautflora in ihrer Arbeit erheblich gestört wird.
Mineralöle sind Fremdkörper in den Barrieren, sodass es zu einem Trockenheitsgefühl der Haut kommt. Kosmetika mit einem hohen Mineralölgehalt decken die Haut ab. Der Feuchtigkeitsverlust ist dadurch gering und die Haut fühlt sich richtig gut an. Das klingt prima. Aber dadurch werden die Hautaktivitäten nach unten reguliert wie z. B. die epidermale Fettsynthese (vgl. Lautenschläger, 2011). Es kann Wochen oder Monate dauern bis die Haut zu einer normalen Stoffwechselaktivität zurückkehrt (vgl. Lautenschläger, 2011).

Das sind keine befriedigenden Ergebnisse. In vielen Produkten werden daher Mineralöle mit Pflanzenölen gemischt. Das macht die Sache auch nicht besser. Um die Hautgesundheit zu fördern, muss die Epidermis, mit physiologischen, ihr bekannten Stoffen, gepflegt werden. Eine zentrale Rolle spielen dabei der Hydrolipidmantel, die Hautflora und insbesondere die Hornschichtbarrieren. Nur dann kann das Haut-Immunsystem gut arbeiten (vgl. von Braunschweig, 2012, S. 156-157).

Pflegende pflanzliche Öle und Fette – bewährt seit Millionen von Jahren
Fette Pflanzenöle sind in ihrer Wirksamkeit kaum zu toppen. Sie haben sich seit Millionen von Jahren bewährt und sind für den menschlichen Organismus keine Fremdkörper und können von der Haut gut integriert werden. Ein Fettmolekül besteht aus drei Fettsäuren, die mit Glycerin verbunden sind. Es sind daher sehr reaktionsfreudige, stoffwechselaktive Moleküle, die in zahllose Stoffwechselprozesse regulierend eingreifen. Aber nur wenige dieser Fettsäuren stehen im Blickpunkt der Forschung. Jedes fette Pflanzenöl hat jedoch mindestens dreißig verschiedene Fettsäuren, die alle für den Organismus wichtig sind. Sie werden von der Haut resorbiert und werden u. a. enzymatisch in Fettsäuren und Glycerin gespalten. Das pflanzliche Glycerin ist wohl der beste und verträglichste Feuchtigkeitsspender für die Haut überhaupt (vgl. Lautenschläger, 2011). Daneben haben Pflanzenöle zahlreiche Fettbegleitstoffe, die die Haut in ihren Funktionen unterstützen.

Es liegt auf der Hand, den Hydrolipidmantel mit körperähnlichen (physiologischen) Stoffen zu schützen und zu pflegen. Fette pflanzliche Öle sowie ihre Begleitstoffe pflegen nicht nur den HLM optimal, sondern bilden einen Schutzfilm, ohne die Epidermis abzudichten.

Fette Pflanzenöle sind leicht antimikrobiell und bieten der Hautflora symbolisch ein gutes „Zuhause“. Pflanzenöle sind „Futter“ für die Hautflora, sorgen für einen optimalen pH-Wert und können das epidermale Immunsystem auf Trab bringen. Sie fördern nebenbei auch die Regeneration der Hautzellen und sind somit im Sinne von Anti-Aging (Vorbeugung frühzeitiger Hautalterung) sehr empfehlenswert (vgl. von Braunschweig, 2012, S. 162).
Sie sind Spezialisten, um Barrieren intakt zu halten, denn Fettsäuren sind barriereaktiv und werden in diese integriert. Linolsäure kann die Barrieren der trocknen Haut „flicken“, denn sie ist ein wichtiger Baustein des Ceramid I. und kann so den transepidermalen Wasserverlust senken und die Feuchtigkeit der Haut erhöhen.

Diese kleinen Einblicke zeigen, wie optimal und notwendig eine Hautpflege mit fetten Pflanzenölen ist.

Literaturverzeichnis:
Heymann, E. (2003): Haut, Haar und Kosmetik. Eine chemische Wechselwirkung - Handbuch für Körperpflegeberufe, Apotheker und Dermatologen. 2. Auflage. Bern: Verlag Hans Huber
Lautenschläger, H. (2011): Korneotherapie – Bindeglied zwischen Dermatologie und Kosmetik. 1. Auflage. Leichlingen: Koko Kosmetikvertrieb GmbH & Co. KG
von Braunschweig, R. (2012): Pflanzenöle. Qualität, Anwendung und Wirkung. 4. Auflage. Wiggensbach: Stadelmann Verlag
 

Autorin:
Ruth von Braunschweig studierte Biologie und Chemie in Göttingen. Sie ist Dipl. Biologin und Heilpraktikerin mit den Schwerpunkten Aromatherapie, Aromapflege, Biologische Medizin, Biologische Hautpflege und Stressbewältigung. Aufbau und Leitung einer staatlich anerkannten Kosmetikfachschule in Kassel für „Ganzheitliche Biologische Hautpflege“. Seit vielen Jahren ist sie Referentin bei Aus- und Weiterbildung für Aromapflege und Aromatherapie im In- und Ausland, sowie Buchautorin.


Nachzulesen in: von Braunschweig, R. (2015): Mikrokosmos Haut - Hautpflege – Fette Pflanzenöle versus Mineralöle. In: Hand in Hand mit der Natur. Das Magazin für Aromapflege und Aromatherapie, 5. Ausgabe, S. 14-15.
issuu.com/evivre/docs/aromapflegemagazin_2015-5_issuu

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