Der Lavendel - ein großer Helfer 12.04.2016 07:51

Der Lavendel - ein großer Helfer

Lavendelblütenfelder sind wohl das bekannteste Provencemotiv auf Postkarten. Er wächst aber nicht nur in Frankreich, sondern im gesamten Mittelmeerraum, wo er oft ganze Regionen mit seinen hübschen, blauvioletten Feldern in ein grandioses Blütenmeer verwandelt.

Lavendel ist aber nicht gleich Lavendel. In der Aromapflege wird hauptsächlich das aus dem echten Lavendel (Lavandula angustifolia) hergestellte ätherische Öl „Lavendel fein“ verwendet. Weitere Sorten sind Speiklavendel, Schopflavendel und Lavandin. Die Namensgebung „Lavendel“ stammt von den Römern und leitet sich aus dem lateinischen „lavare“ ab, was soviel wie waschen bedeutet. Der Lavendel blickt auf eine lange Geschichte zurück. Schon die Perser und Griechen nutzten den Duft verbrannter Lavendelzweige, um schlechte Ausdünstungen in Krankenzimmern zu neutralisieren und um die Raumluft zu reinigen. Später zur Pestzeit trugen Ärzte Schnabelmasken, die mit Lavendelblüten gefüllt waren und bedienten sich der keimhemmenden und desinfizierenden Wirkung, um der eigenen Ansteckung vorzubeugen. Die meisten von uns werden Lavendel unweigerlich mit dem Duft von Oma´s Wäscheschrank verbinden, da Lavendelsäckchen zum Schutz vor Motten und Ungeziefer verwendet wurden und die Wäsche damit beduftet wurde und wird.

In der Gesundheits- und Krankenpflege hat sich die Aromapflege in den letzten Jahren als komplementäre Pflegemethode etabliert. Neueste Studien, zahlreiche Erfahrungswerte aus dem Stationsalltag und der Wissensschatz vieler Generation verhelfen uns zu beeindruckenden Erfolgen. Das Lavendelöl ist dabei nicht wegzudenken und gilt in der Aromapflege als das Allroundöl.

Die Inhaltsstoffe:
40 - 50 % Ester (v. a. Linalylacetat), 30 - 40 % Monoterpenole (v. a. Linalool), 7 - 13 % Monoterpene (v. a. Ocimene), bis 8 % Sequiterpene (v. a. beta-Carophyllen), bis 1,5 % Oxide (v. a. 1,8-Cineol, Linalooloxid), in Spuren Sesquiterpenketone und –oxide, Cumarine, Eugenol, aromatische Säuren und Aldehyde, aromatische Ester und Alkohole, Monoterpenketone und Sesquiterpenole (vgl. von Braunschweig 2006, S. 127).

Das Duftprofil
Lavendelöl richt blumig-krautig, leicht süß mit einem zarten holzigen Unterton (vgl. Buchmayr, Deutsch, Fink, 2007, S. 66).

Die körperlichen Wirkungen
Lavendelöl wirkt antiseptisch, antiviral, antimykotisch, antibakteriell, entzündungshemmend, hautpflegend, wundheilend, zellregenerierend, narbenglättend, juckreizlindernd, schlaffördernd, stark abwehrsteigernd, schmerzlindernd, fiebersenkend, krampflösend, reizlindernd und herzstärkend (vgl. Buchmayr, Deutsch, Fink, 2007, S. 66).

Die psychischen Wirkungen
Es wirkt stimmungsaufhellend, harmonisierend, beruhigend, entspannend, tröstend, ausgleichend, es wirkt wie Nervenbalsam (vgl. Buchmayr, Deutsch, Fink. 2007, S. 66).

Die Vorsichtsmaßnahmen
In physiologischer Dosierung und richtiger Anwendung sind keine Nebenwirkungen bekannt (vgl. Buchmayr, Deutsch, Fink, 2007, S. 66).

Die häufigsten Anwendungsmöglichkeiten ätherischer Öle in der Gesundheits- und Krankenpflege sind:
• als Zusatz für Waschungen und Bäder, für Wickel und Kompressen
• als Zusatz für die Hautpflege, für Einreibungen und Streichungen
• zur Raumbeduftung

Eine detaillierte Beschreibung und Erklärung hierzu finden Sie im Aromapflegehandbuch.

Das Lavendelöl findet in allen aufgezählten Bereichen seine Anwendung. Von Pflegepersonen besonders geschätzt wird aber die beruhigende, angstlösende und einschlaffördernde Wirkung am Abend. Meist wird das Lavendelöl hier in Form der Raumbeduftung eingesetzt. Entweder wird es mit Hilfe eines elektrisch betriebenen Gerätes (z. B. Aromastone oder Aromastream) in der Raumluft verteilt oder es wird ganz einfach einem „Duftfleckerl“ verwendet. Hierzu werden 1 - 2 Tropfen Lavendelöl auf einen unsterilen Tupfer geträufelt und dieser in der Nähe des Kopfkissens platziert. Bei der Raumbeduftung sei noch darauf hingewiesen, dass immer die Duftvorlieben der PatientInnen zu berücksichtigen sind. Sollte der Lavendelduft alleine nicht gefallen, sieht dies bei einer Kombination mit Bergamottenöl oder Orangenöl meist anders aus.

Univ. Prof. Mag. Dr. Gerhard Buchbauer bestätigt in seinen folgenden Zeilen die seit Jahrhunderten geschätzte beruhigende und einschlaffördernde Wirkung des Lavendelöles mit dem Ergebnis seiner durchgeführten Studie:

„Bereits vor über 40 Jahren findet man erstmals in der wissenschaftlichen Literatur einen Bericht über die relaxierenden, beruhigenden und stressabbauenden Effekte des ätherischen Lavendelöls (ÄÖ). Auch die beiden Hauptinhaltsstoffe, Linalool und Linalylacetat besitzen solche zentral dämpfenden Wirkungen. Eine in vivo-Studie mit Linalool bewies die dosisabhängige, sedative Wirkung auf das Zentralnervensystem (Verstärkung der Aufnahmefähigkeit der GABAA-Rezeptoren). Qualitative Analysen der Gehirnrinde von Mäusen, die man vorher Lavendelöl einatmen hat lassen, zeigten, dass Riechstoffe im Blut tatsächlich die Blut-Hirn-Schranke passierten und so dort nachzuweisen waren. In Tierversuchen, im Lichtschrankenkäfig, verminderte dieses ÄÖ signifikant die Bewegungsfreude, ebenso wie im Fall der durch Koffein übererregten Tiere. Diese wurden durch Lavendelölduft sogar noch stärker beruhigt als jene ohne vorherige Koffeingabe. Linalool und Linalylacetat dagegen bewirkten eine ähnliche Beruhigung in einem geringeren Ausmaß. Einen Zusammenhang der Motilität der Versuchstiere mit dem Linaloolgehalt in deren Blut konnte ebenso gezeigt werden, wie die Resorption des ÄÖ nach Massage durch die menschliche Haut. Die Befreiung von Stress und die einschlafverbessernde Wirkung, wurde wiederholt in klinischen Studien, sowohl mit Langzeitpatienten, als auch mit gesunden Senioren nachgewiesen: Schlafdauer und -qualität verbesserten sich eindrucksvoll. Auch die Gedächtnisleistung von ängstlichen, gehemmten Volksschulkindern verbesserten sich unter dem Einfluss dieses ÄÖ’s, das überdies wegen seiner guten keimhemmenden Wirkung nicht nur zur Reduktion der Keimbelastung in der Raumluft (z. B. Krankenzimmer), sondern auch äußerlich zur verbesserten Wundheilung angewendet werden kann.“

Zum Abschluss noch ein paar Tipps für den privaten Gebrauch. Hier gehört das Lavendelöl in jede Hausapotheke als Universalmittel. Ob für Groß oder Klein - es ist Balsam für die Haut und die Seele. Es wirkt beruhigend und einschlaffördernd bei Schlafstörungen oder Unruhezuständen, wirkt bei Verspannungen entkrampfend und ist ein tolles Soforthilfemittel bei kleinen Verletzungen und Wunden.

Ihre
Evelyn Deutsch

Literaturverzeichnis:
Buchmayr, B., Deutsch E., Fink, M. (2007): Aromapflegehandbuch – Leitfaden für den Einsatz ätherischer Öle in Gesundheits-, Krankenpflege- und Sozialberufen. 1. Auflage. Pflach: Verlag Grasl
Werner, M., von Braunschweig, R. (2006): Praxis Aromatherapie - Grundlagen, Steckbriefe, Indikationen. 1. Auflage. Stuttgart: Karl F. Haug Verlag

Bildverzeichnis: © Waltraud Reischer

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