Madagaskar – Ravintsara (Cinnamomum camphora Ct. 1,8-Cineol) 06.04.2016 07:24

Madagaskar – Ravintsara (Cinnamomum camphora Ct. 1,8-Cineol)

„Geh doch dahin wo der Pfeffer wächst!“ Für Liebhaber von ätherischen Ölen ist das wohl vielmehr ein langegehegter Traum als eine uncharmante Aufforderung sich zu entfernen. Zumindest wenn man damit eine Heimat des Pfeffers verbindet – die Gewürzinsel Madagaskar. Dieses umwerfend schöne Land bietet eine grandiose Pflanzen- und Tierwelt, die teilweise nur hier anzutreffen ist. Neben Pfeffer ist Madagaskar auch die Heimat von Ylang Ylang, Ravintsara, Vanille u.v.m..   

Neben dem Artenreichtum in der Pflanzen- und Tierwelt, ist Madagaskar auch ein Land, das durch verschiedenste Landschaftsformen geprägt ist. Man findet dort tropische Regenwälder, aber auch bergiges Hochland und Steppen. Die Insel gehört landschaftlich, klimatisch und kulturell zu einem der vielfältigsten Länder unserer Erde.
Auf einer Reise durch Madagaskar begleiten uns immer und überall die Worte „Mora mora“. In der Sprache der Madagassen - Malagasy - bedeutet das „langsam“. Dass hier die Uhren langsamer ticken, merkt man sehr schnell. Ungeduld gilt als unhöflich und so ist es Zeit uns die madagassische Gelassenheit anzueignen. Herrlich, einfach mal abschalten.

Viele außergewöhnliche, nicht so alltägliche, ätherische Öl-Pflanzen wie z. B. Ylang Ylang, Ravintsara, Ravensara, Pfeffer, Vanille u.a. werden hier kultiviert. Die Liste ist lang. In der madagassischen Medizin werden rund 13.000 Arten heimischer Naturheilpflanzen traditionell verwendet.

Farfalla – ein besonderes und einzigartiges Projekt – Fairer Handel und soziale Kompetenz
Farfalla ist seit 2012 einer von 4 Anteilseignern/Projektträger einer Plantage auf Madagaskar. Das Projekt unterstützt bzw. beschäftigt vor allem Frauen als Pflückerinnen. Zudem sind über 2000 Kleinstbauern der Region Nordmadagaskar durch Zukauf in ihrer Lebensgrundlage abgesichert. Für die Mitarbeiter und ihre Familien gibt es dadurch auch ein krankenkassenähnliches Modell für deren medizinische Versorgung und das Projekt wird durch madagassische Agronomen zum Thema Biolandbau unterstützt. Mit dem Label „Grand Cru“ zeichnet Farfalla die ätherischen Öle wie Ylang Ylang, Citronella und Ravintsara aus Madagaskar aus. Damit honoriert sie nicht nur die außerordentliche Qualität der ätherischen Öle, sondern auch das Engagement der Inselbewohner, das in der Region Ambanja für Arbeitsplätze und gesunde Böden, für eine nachhaltige Nutzung und faire Löhne sorgt. Wir finden das einfach toll, macht weiter so!
Über Madagaskar und dessen Pflanzenvielfalt würden sich ganze Bücher schreiben lassen und wir werden sicherlich in einer der nächsten Ausgaben wieder hierher zurückkehren. Heute möchten wir unser Augenmerk aber speziell auf das aus einem Kampferbaum gewonnene ätherische Öl Ravintsara (Cinnamomum camphora Ct. 1,8-Cineol  (L.) J. Presl) richten.

Ravintsara
Ravintsara gehört zur Familie der Lorbeergewächse. Der Baum wächst im feucht-tropischen Gebiet von Ambanja. Ambanja ist eine Stadt im Nordwesten von Madagaskar am Fluss Sambirano. Die stark aromatischen Blätter des immergrünen kleinen Baumes werden 1 - 2 mal pro Jahr geerntet. Im Zuge des Fairtrade-Projektes wurden von Farfalla 3000 Ravintsara-Bäume gepflanzt. Dieser Ravintsara-Wald soll den Boden vor Erosion schützen, da leider auf dieser Insel täglich riesige Baumbestände gerodet werden.
Wenn das ätherische Öl, welches durch Wasserdampfdestillation gewonnen wird, uns um die Nase streicht, empfängt uns ein frischer, klarer und an Eukalyptus erinnernder Duft. Für die Gewinnung von 1 Liter Ravintsaraöl benötigt man 80 kg Blattgut.

Das eher unbekannte ätherische Öl, weist in vielen Bereichen äußerst interessante Eigenschaften auf. Seine wohltuenden Stärken werden besonders in der frostigen und kalten Jahreszeit sehr geschätzt. Egal ob wir unsere Wohn- und Arbeitsräume von Bakterien und „schlechter“ Luft reinigen und vitalisieren möchten, oder ob wir bei einem geschwächten Immunsystem an das Öl denken, sein Wirkungsspektrum ist breit gefächert.

Sein Hauptinhaltstoff, 1,8-Cineol, welcher bis zu 65 % in diesem Öl enthalten ist, zeigt uns die Wirkungsrichtung auf. Dieser Inhaltsstoff gehört zu der kleinen, aber feinen Gruppe der Oxide. Die Wirkung dieses Stoffes wurde in vielen Studien erforscht. Man hat u. a. festgestellt, dass dieser chemische Bestandteil stark schleimlösend und auswurffördernd ist. 1,8-Cineol wird auch in Medikamenten verarbeitet, welche gegen Sinusitis, Bronchitis u. a. Atemwegserkrankungen wirken. Bei normaler Dosierung sind keine Nebenwirkungen bekannt, jedoch sollte der Duft nicht bei Säuglingen Verwendung finden.


Achtung Verwechslungsgefahr: Der ebenfalls in Madagaskar beheimatete Baum namens „Ravensara aromatica“ (früher auch als Ravensara anisata bezeichnet), wurde in der Vergangenheit des Öfteren mit dem oben beschriebenen Ravintsara verwechselt. Es ist jedoch ein völlig anderer Baum. Auf Madagaskar wird er auch Havozo, Madagassischer Nelkennussbaum, genannt. Das ätherische Öl wird aus der Rinde gewonnen und hat einen stark nelkenartigen Geruch. Hier kann selbst die ungeübte Nase den Unterschied erkennen. Auch ist deren Anwendung aufgrund seines Hauptinhaltsstoffes Methylchavicol nicht unproblematisch.

Literaturverzeichnis:
Werner, M., von Braunschweig, R. (2012): Praxis Aromatherapie – Grundlagen, Steckbriefe, Indikationen. 3. Auflage. Stuttgart: Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH Co KG.
 


Nachzulesen in: Deutsch-Grasl, E., Reischer, W. (2014): Madagaskar - Ravintsara Cinnamomum camphora Ct. 1,8-Cineol. In: Hand in Hand mit der Natur. Das Magazin für Aromapflege und Aromatherapie, 1. Ausgabe, S. 4-5.
issuu.com/evivre/docs/aromapflegemagazin_2014-1

Bildverzeichnis: © Farfalla, Pfeffer: © Waltraud Reischer

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