Wie wirkt Aromapflege im Pflegealltag? 17.07.2019 10:46

Wie wirkt Aromapflege im Pflegealltag?

Implementierung der Aromapflege

Praxisbericht von der Intensivstation im Orthopädischen Spital Speising

Die Aromapflege im Krankenhaus oder in der Pflegeeinrichtung zu implementieren stellt oft eine Hürde dar, da Pflegepersonen mit einer Vielzahl von Aufgaben konfrontiert sind. Pflegehandlungen müssen kritisch denkend geplant werden, der aktuelle Stand der fachlichen und wissenschaftlichen Erkenntnisse und Erfahrungen muss im Auge behalten werden. Ein Praxisbeispiel auf der Intensivstation im Orthopädischen Spital Speising zeigt, welche positiven Effekte die Implementierung der Aromapflege auf PatientInnen hat.

(ein Bericht von DGKP Zuzana Norovska)

Die Aromapflege gehört auf unserer Station zum klinischen Alltag und wird bei unseren PatientInnen in Form von Waschungen, Hautpflege, Prophylaxen und Raumbeduftung angewendet. Im hauseigenen Aromahandbuch ist die zur Verfügung stehende Produktauswahl zur Prophylaxe und zur gesunden Hautpflege, deren Indikationen, Anwendungsformen, Dosierungen, sowie die verantwortlichen Ansprechpersonen, detailliert niedergeschrieben. Das geschulte Pflegepersonal garantiert für die qualitative Umsetzung und praktische Anwendung der Aromapflegeprodukte.

Die Übernahme der PatientInnen auf unsere Intensivstation erfolgt nach orthopädischen Operationen oft wegen lebensbedrohlichen, organisch bedingten Dysfunktionen wie z.B.

  • kardiorespiratorische Insuffizienz,
  • akutes Nierenversagen,
  • schwere Septikämie und
  • anderen kritischen Situationen.

Dadurch ergibt sich eine überdurchschnittliche Aufenthaltsdauer von mehreren Tagen bis Wochen. Die pflegerischen Maßnahmen orientieren sich an den individuellen Bedürfnissen der PatientInnen. Pflegeprobleme und Ressourcen werden im Rahmen des professionellen Pflegeprozesses definiert. Ziele werden festgelegt, wirkungsorientierte Maßnahmen werden definiert, durchgeführt und evaluiert. Die Pflegeplanung umfasst bei den intensivpflichtigen PatientInnen neben den grund- und speziellen pflegerischen Interventionen auch den Einsatz von prophylaktischen Maßnahmen (vgl. Larsen, 2012, S. 531). Hierfür bietet uns gerade die Aromapflege, außer einem bemerkenswerten Wohlfühlfaktor, weitere effektive Möglichkeiten, die wir besonders bei unseren meist bettlägerigen PatientInnen im Sinne einer „gesunden, natürlichen“ Hautpflege erfolgreich einsetzen.

 

Dank der Motivation und der kontinuierlichen Unterstützung
unserer Pflegedirektorin Fr. B. Klemensich, MBA, konnte
die Implementierung der Aromapflege erfolgreich umgesetzt werden.

 

Aromapflege bei Säuglingen und Kindern auf der Intensivstation

Zu unseren PatientInnen gehören auch Säuglinge, Kinder und Jugendliche, welche postoperativ nach längeren und schwierigen operativen Eingriffen bei uns überwacht werden. Hier werden die geplanten aromapflegerischen Maßnahmen mit den Eltern mündlich vereinbart und in der Pflegedatenbank vorgemerkt.
Wegen der reizlindernden, pflegenden und hautschützenden Eigenschaften kommt das Mandelöl bei Säuglingen und Kleinkindern zum Einsatz. Es hält die zarte Haut geschmeidig und widerstandsfähig. Der sanft nussige Geruch führt bei Kindern auch zu einer hohen Duftakzeptanz (vgl. Deutsch-Grasl, Buchmayr, Eberle, 2015, S. 267). Sehr viele Eltern zeigen reges Interesse an der Aromapflege und nutzen die Möglichkeit der Information, um die komplementäre Pflegemethode auch im privaten Bereich an ihren Kindern umsetzen zu können.

Aromapflege bei Erwachsenen auf der Intensivstation

Bei den erwachsenen Patienten wird die Einwilligung direkt vom Patienten oder von der Patientin eingeholt. Hier wird zur gesunden Hautpflege vorwiegend das Olivenöl eingesetzt. Insbesondere bei septischen PatientInnen haben uns die hautpflegenden, -regenerierenden und durchblutungsfördernden Eigenschaften des Olivenöls gezeigt, dass das Pflegeproblem der schuppenden und ausgetrockneten Haut bei regelmäßiger Anwendung zur Verbesserung des Hautbildes führt. Olivenöl enthält 75 % Ölsäure und phenolische Verbindungen, welche Schutz vor freien Radikalen geben (vgl. Werner, Braunschweig, 2014, S. 266).

Bei unseren PatientInnen verwenden wir Aromapflegeprodukte der Pflegeserie Evelyn Deutsch, wie beispielsweise das Decubitus- und das Intertrigoprophylaxenöl, welche auf die Prädilektionsstellen zweimal täglich aufgetragen werden. Das Decubitusprophylaxenöl verbessert durch seine Inhaltsstoffe Cajeput, Niaouli und anderer ätherischen Öle die Durchblutung, der Lavendel fein wirkt hautpflegend und zellregenerierend. Jojobawachs und Johanniskrautölmazerat sind für die reizreduzierende, feuchtigkeitsregulierende und hautschützende Wirkung verantwortlich (vgl. Deutsch-Grasl, Buchmayr, Eberle, 2015, S. 222, 229, 233, 265, 266). Diese Anwendung in Kombination mit effektiver Druckentlastung und frühzeitiger Risikoeinschätzung zum Wundliegen konnte die Entstehung von Rötungen deutlich reduzieren.


Zur Kontrakturprophylaxe kommt das Entspannungspflegeöl zum Einsatz, welches neben entspannender und lösender Eigenschaften auf die Muskulatur auch einen beruhigenden Effekt auf das emotionale Befinden hat. Das Entspannungspflegeöl wird auf die betroffenen Muskelpartien aufgetragen und eingerieben. Durch den meist reduzierten Stoffwechsel sollte die Aromapflege bei PatientInnen wegen des möglichen kumulierenden Effektes der Inhaltsstoffe der ätherischen Öle nicht länger als 3–4 Wochen angewendet werden. Nach dieser Anwendungsdauer sollte ein aromafreies Pflegeintervall (Aromapause) von einer Woche eingehalten werden. Hierbei empfiehlt sich der Umstieg auf ein natives fettes Pflanzenöl ohne ätherische Öle wie z. B. Oliven- oder Mandelöl.

Auch ein positiver Nebeneffekt ist eine deutliche Reduktion der Kosten, wie unser Kostenvergleich (2011-2014) zeigt.


Über die Autorin:
Zuzana Norovska ist diplomierte Kinderkrankenschwester und arbeitet seit 1996 im Orthopädischen Spital Speising. Sie war von 2007 bis 2017 auf der Intensivstation beschäftigt und seit Sommer 2017 ist sie Stationsleitung auf der Kinderstation. Neben ständigen Weiterbildungen besuchte sie 2011 die Sonderausbildung „Intensivpflege“ an der Akademie für Fortbildungen und Sonderausbildungen im AKH Wien. Im Anschluss an bereits besuchte Fortbildungen zum Thema Aromapflege absolvierte sie die Weiterbildung „Komplementäre Pflege – Aromapflege“.

Literatur:
Deutsch-Grasl, E., Buchmayr, B., Eberle, M. (2015): Aromapflege Handbuch - Leitfaden für den Einsatz ätherischer Öle in Gesundheits-, Krankenpflege- und Sozialberufen. 3. Auflage. Pflach: Aromapflege.com
Larsen, R. (2012): Anästhesie und Intensivmedizin für die Fachpflege. 8. Auflage. Berlin Heidelberg: Springer Verlag
Werner, M., von Braunschweig, R. (2014): Praxis Aromatherapie - Grundlagen-Steckbriefe-Indikationen. 4. Auflage. Stuttgart: Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH Co KG
von Braunschweig, R. (2012): Pflanzenöle - Qualität, Anwendung und Wirkung. 4. Auflage. Wiggensbach: Stadelmann Verlag