Wir gratulieren zum Bernhard-Glawogger-Förderpreis! 12.10.2017 12:45

Wir gratulieren zum Bernhard-Glawogger-Förderpreis!

vlnr. Birgit Birkenau, Harald Titzer, Josef Trattner, Alicia Lanzerstorfer, Brigita Schwarz, Natasa Prajo, Alois Lang, Andreas Petzer

Alicia Lanzerstorfer hat Ihre prämierte Abschlussarbeit im Rahmen der Weiterbildung "Komplementäre Pflege - Aromapflege, laut § 64 GUKG" an unserer Schule in Wien erstellt.

Die Arbeitsgemeinschaft hämatologischer und onkologischer Pflegepersonen (AHOP) in Österreich hat dieses Jahr zum zwölften Mal den Bernhard-Glawogger-Förderpreis für Arbeiten ausgeschrieben, die sich mit einem Thema aus der Hämatologie oder Onkologie auseinandersetzen. In der Kategorie Abschlussarbeiten aus Fort- und Weiterbildungen wurde der Preis an Alicia Lanzerstorfer, BScN vom Klinikum Wels-Grieskirchen für die Arbeit "Mundpflege als aromapflegerische Intervention bei oraler Mukositis. Symptomlinderung
bei Tumorpatienten mit bestehender oraler Mukositis verursacht durch eine Radio- und/oder Strahlentherapie" vergeben. Die Preise wurden im Rahmen der OeGHO- & AHOP-Frühjahrstagung 2017 am 7.April im wunderschönen Ambiente des Kongresshauses in Bregenz verliehen.

Das Thema für die Arbeit ergab sich aus der pflegerischen Praxis im Klinikum Wels-Grieskirchen, wo Aromapflege im Zeitraum 2015/16 auf mehreren Pilotstationen, darunter auch auf der Onkologie und der Palliativstation, implementiert wurde. Die verschiedenen Aromapflegeanwendungen haben sich als wirkungsvolle unterstützende Maßnahmen zur Symptomlinderung bei onkologischen und palliativen Patientinnen und Patienten erwiesen. In der Praxis sind Pflegepersonen auf beiden Stationen häufig mit Patientinnen und Patienten konfrontiert, die unter einer oralen Mukositis leiden. Vor dem Hintergrund der positiven Erfahrungen mit Aromapflege auf beiden Stationen ergab sich die Frage, ob Aromapflege auch einen positiven Beitrag zur Symptomlinderung bei oraler Mukositis leisten kann.

Ziel der Arbeit war es den aktuellen Stand des evidenzbasierten Wissens über die Wirksamkeit und Einsatzmöglichkeit von ätherischen Ölen, Hydrolaten und fetten Pflanzenölen bei der Mundpflege von Patientinnen und Patienten mit oraler Mukositis zu recherchieren. Orale Mukositis ist eine häufig auftretende Nebenwirkung einer antitumoralen Therapie, die für betroffene Patientinnen und Patienten sehr belastend ist und ihre Lebensqualität beeinträchtigt. Je nach Schweregrad kann sie eine Reduktion der Dosis oder eine Unterbrechung der Therapie erforderlich machen und dadurch den Therapieerfolg gefährden.

Bei der Literaturrecherche wurden insgesamt sechs randomisiert kontrollierte Studien gefunden, welche die Einschlusskriterien erfüllten. In allen sechs Studien wurde sowohl bei der Kontrollgruppe als auch bei der Interventionsgruppe konventionelle Mundpflege durchgeführt. Bei der Interventionsgruppe wurden zusätzlich Aromapflegeprodukte wie zum Beispiel ätherische Öle und Hydrolate in verschiedenen Zubereitungen verwendet. In zwei Studien wurden ätherische Öle von Pfefferminze [1] bzw. Manuka und Kanuka [2] für die Zubereitung der Mundspülung eingesetzt. In zwei weiteren Studien wurden Schafgarben- [3] bzw. eine Mischung aus Pfefferminz- und Thymian-Hydrolat [4] verwendet, und in den restlichen beiden Studien wurde eine Ringelblumentinktur [5] beziehungsweise ein Kamillenextrakt [6] eingesetzt. Die Ergebnisse der Studien zeigten bei den jeweils erfassten Kriterien - Häufigkeit des Auftretens, Dauer und Schweregrad der oralen Mukositis - bei den Patientinnen und Patienten der Interventionsgruppe eine signifikante Verbesserung gegenüber der Kontrollgruppe. Die in Zubereitungen der untersuchten Mundpflegeprodukte verwendeten ätherischen Öle und Hydrolate können daher als wirkungsvolle aromapflegerische Produkte zur Symptomlinderung bei oraler Mukositis angesehen werden.

In der klinischen Praxis ist zu berücksichtigen, dass die Anwendung von Mundpflegeprodukten bei einer bestehenden oralen Mukositis der ärztlichen Anordnung bedarf.

Autorin:
DGKP Alicia Lanzerstorfer BScN schloss das 2in1-Modell-Pflege Ausbildung am Ausbildungszentrum für Gesundheit und Pflege in Wels und an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg 2013 ab. Seither arbeitet sie auf der Palliativ Station im Klinikum Wels-Grieskirchen. Im Rahmen des Aromapflege-Implementierungsprojektes am Klinikum Wels-Grieskirchen absolvierte sie die Weiterbildung Komplementäre Pflege - Aromapflege, laut § 64 GuKG, an der Schule für Aromapflege und Heilpflanzenkunde Evelyn Deutsch in Wien.
Facharbeit
Lanzerstorfer, A. (2016). Mundpflege als aromapflegerische Intervention bei oraler Mukositis. Symptomlinderung bei Tumorpatienten mit oraler Mukositis verursacht durch eine Radio und/oder Chemotherapie. Unveröffentlichte Facharbeit. Schule für Aromapflege und Heilpflanzenkunde Evelyn Deutsch, Wien; Betreuung durch Brigitte Rest BSc.

Literaturverzeichnis:
[1] Ardakani, M.T., Ghassemi, S., Mehdizadehm, M., Mojab, F., Salamzadeh, J., Ghassemi, S., Hajifathali, A., 2016. In: Evaluating the effect of Matricaria recutita and Mentha piperita herbal mouthwash on management of oral mucositis in patients undergoing hematopoietic stem cell transplantation: A randomized, double blind, placebo controlled clinical trial. In: Complementary Therapies in Medicine, 29, 29–34.
[2] Maddocks-Jennings, W., Wilkinson, J.M., Cavanagh, H.M., Shilington, D., 2009. Evaluating the effects of the essential oils Leptospermum scoparium (manuka) and Kunzea ericoides (kanuka) on radiotherapy induced mucositis: A randomized, placebo controlled feasibility study. In: European Journal of Oncology Nursing, 13, 87-93.
[3] Miranzadeh, S., Adib-Hajbaghery, M., Soleymanpoor, L., Ehsani, M. (2015). Effect of adding the herb Achillea millefolium on mouthwash on chemotherapy induced oral mucositis in cancer patients: A double-blind randomized controlled trial. In: European Journal of Oncology Nursing, 19, 207-213
[4] Yayla, E.M., Izgu, N:, Ozdemir, L:, Erdem, S.A., Murat Kartal, M., 2016. Sage tea–thyme–peppermint hydrosol oral rinse reduceschemotherapyinduced oral mucositis: A randomized controlled pilotstudy. In: Complementary Therapies in Medicine, 27, 58–64.
[5] Babaee, N., Moslemi, D., Khalilpour , M., Vejdani , F., Moghadamnia, Y., Bijani, A., Baradaran, M., Kazemi, M.T., Khalilpour, A., Pouramir, M., Moghadamnia, A.A., 2013. Antioxidant capacity of calendula officinalis flowers extract and prevention of radiation induced oropharyngeal mucositis in patients with head and neck cancers: a randomized controlled clinical study. In: DARU Journal of Pharmaceutical Sciences, 21, 18-24.
[6] Braga, F.T., Santos, A.C., Bueno, P.C., Silveira, R.C., Santos, C.B., Bastos, J.K., Carvalho, E.C., 2015. Use of Chamomilla recutita in the Prevention and Treatment of Oral Mucositis in Patients Undergoing Hematopoietic Stem Cell Transplantation: A Randomized, Controlled, Phase II Clinical Trial. In: Cancer Nursing, 4, 322-329.

Nachzulesen in: Lanzerstorfer A.; Wir gratulieren zum Bernhard Glawogger Förderpreis!; Hand in Hand mit der Natur – Das Magazin für Aromapflege und Aromatherapie 2017; 7: 26-27

Bildnachweis: © OeGHO

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