Befreit in die nächste Pollensaison: Allergie Prophylaxe

Die Nase rinnt, die Augen jucken, es wird geniest und gekeucht - diese Anzeichen kündigen bei Allergiker*innen die ersten Pollen an. Bereits im Jänner kann man prophylaktisch dagegen etwas unternehmen - mit der Unterstützung ätherische Öle. Erfahre von Pharmazeutin Andrea Gavanelli was genau bei einer Allergie passiert, warum nur manche Menschen allergisch reagieren und ganz wichtig: was Du Dir bei einer Blütenstaub Allergie ganz natürlich helfen kannst.

Was bedeutet eine “Allergie haben”

Allergie (griechisch állos = anderer, und érgon = Tätigkeit, eigentlich = Fremdeinwirkung¹) ist der Überbegriff für Erkrankungen eines entgleisten Immunsystems. Dazu gehören z. B. Heuschnupfen, atopisches Ekzem (Neurodermitis) oder Nahrungsmittelallergien (nicht zu verwechseln mit Unverträglichkeiten!) (vgl. Pschyrembel, 2002, S. 46).
Allergie-Prophylaxe beginnt optimalerweise 6 bis 8 Wochen vor der jeweiligen Allergiesaison. Diese kann für Pollenallergiker schon im Jänner beginnen! Daher ist es sinnvoll, schon im Herbst an die nächsten allergieauslösenden Pollen zu denken.

Was passiert bei einer Allergie

Bei einer Allergie erkennt ein überschießendes Immunsystem an sich harmlose Stoffe als gefährlich, entwickelt Antikörper (IgE) dagegen und versucht so, die Fremdstoffe zu eliminieren. Der Ablauf einer allergischen Reaktion (allergische Kaskade) ist im Körper immer derselbe, egal ob die Allergene (Allergie-auslösende Stoffe) Pollen, Tierhaare, Medikamente oder z.B. Lebensmittelbestandteile sind (Pschyrembel, 2002, S. 45).

Symptome einer Allergie

Die Symptome sind vielfältig: juckende Hautausschläge einhergehend mit Rötung und Schwellung, lokal oder über den ganzen Körper verbreitet; tränende Augen und rinnende Nase; Durchfall, Koliken, Verdauungsstörungen; gereizte Atemwege bis hin zu Asthma oder akuter Atemnot. Der Auslöser: Histamin, das aus den Mastzellen freigesetzt wird (vgl. Feichtinger et al., 2005, S. 109f). Mastzellen, eine besondere Form der Leukozyten, finden sich sowohl im Blut als auch im Gewebe und sind Speicherort für körpereigenes Histamin. Bei einer allergischen Reaktion wird durch eine Interaktion zwischen Antigen und Antikörper schließlich Histamin aus diesen Mastzellen freigesetzt und es kommt zu den typischen Symptomen der Allergie. (vgl. Thews et al., 1991, S. 105f)

Warum entwickeln aber nicht alle Menschen Allergien?

Schon Dr. Wilhelm Heinrich Schüssler (1821 - 1898) beschrieb in seinen Werken, dass eine Überlastung mit Schadstoffen und ein gleichzeitiger Mangel an bestimmten Mineralstoffen Beschwerden wie Ödeme, Juckreiz, Verschleimung der Atemwege bewirken. Er empfahl hier den Körper zu entgiften, den Säure-Basen-Haushalt zu regulieren und die Zufuhr von Eiweiß zu reduzieren. Den Begriff "Allergie" finden wir bei Dr. Schüssler noch nicht, er wurde erst 1906 vom Wiener Arzt Clemens Freiherr von Pirquet geprägt2. Besonders der übermäßige Verzehr von Milch und Milchprodukten (Eiweiß!) steht im Verdacht, Allergien zu fördern. Forschungsergebnisse aus Dänemark 1987 zeigten auch, dass das Homogenisieren (unter hohem Druck werden Fettkügelchen zerkleinert, die Milch rahmt nicht mehr auf) das Allergiepotential der Milch steigert (vgl. Kapfelsperger, Pollmer, 1992, S. 198). Ursache dafür ist, dass durch das Homogenisieren antigene Proteine an die Oberfläche der Fettkügelchen gelangen. Diese können dadurch an Mastzellen binden und so eine allergische Reaktion auslösen. Das erklärt, warum Allergiker frische Milch gut vertragen, homogenisierte Milch dagegen nicht (vgl. Poulsen et al., 1987, S. 449-458).
Auch Dr. Bruker erkannte in seiner täglichen Arbeit mit seinen Patienten einen deutlichen Zusammenhang zwischen Allergie und Eiweißüberlastung (vgl. Bruker, 2016, S. 89). Ein Zuviel an tierischem Eiweiß (Fleisch, Wurst, Topfen, Milch, Joghurt) führt zu einer Anhäufung von sauren Stoffwechselprodukten, welche zu einem verminderten Stofftransport sowohl in die Zelle hinein als auch aus der Zelle heraus führt. Die Folgen sind u. a. Allergien, Herz-Kreislauferkrankungen und rheumatische Erkrankungen, obwohl der Organismus über die Nahrung mit ausreichend Mineral- und Nährstoffen versorgt wird. Durch eine Umstellung der Ernährung lassen sich Allergien positiv beeinflussen: kein tierisches, sondern nur pflanzliches Eiweiß z. B. Mandelmilch, und regelmäßig natives (nicht erhitztes) Eiweiß (vgl. Bruker, 2016, S. 54ff).

Was können nun ätherische Öle bei allergischen Reaktionen bewirken?

Die Stabilisierung des Immunsystems ist vorrangiges Ziel der Allergie-Prophylaxe. Besonders Sesquiterpen-haltige ätherische Öle zeigen gute Wirkung. Das ätherische Öl der Atlaszeder (Cedrus atlantica) ist reich an Sesquiterpenen (bis 80 % Himachalen) und wirkt dadurch körperlich und seelisch stabilisierend (vgl. Wabner/Beier, 2009, S. 322). Zedernöle stabilisieren die Mastzellen, sodass die Histaminfreisetzung blockiert wird. Die Mastzellen-stabilisierende und entzündungshemmende Wirkung des ätherischen Öles der Himalayazeder (Cedrus deodara) konnte in Studien belegt werden (vgl. Shinde et al., 1999, S. 258-261).

Ätherisches Manukaöl (Leptospermum scoparium) ist wegen des hohen Sesquiterpen-Gehaltes dem Atlaszedernöl sehr ähnlich in seiner antihistaminischen und psychisch stärkenden Wirkung und dadurch zur Allergie-Prophylaxe und auch für chronische allergische Erscheinungen wie Neurodermitis zur unterstützenden Linderung bestens geeignet (vgl. Wabner, Beier, 2009, S 223).

Auch die ätherischen Öl der Melisse (Melissa officinalis) und des Ingwers (Zingiber officinalis) stärken das Immunsystem und wirken antiallergisch (vgl. Wabner, Beier, 2009, S 225).
Begleitend zur Anwendung der ätherischen und fetten Öle gibt es verschiedenste

Möglichkeiten der Allergie-Prophylaxe:

Grundsätzlich sollte die Allergie-Prophylaxe 6 bis 8 Wochen vor der Allergiesaison beginnen und kurmäßig durchgeführt werden (ca. 3 Wochen anwenden, 1 Woche Pause, 3 Wochen anwenden). Das heißt, gerade bei Pollenallergie muss eventuell schon im Spätherbst oder Winter an den nächsten Frühling und die ersten Pollen gedacht werden!

Als Basis ist unbedingt eine Umstellung der Ernährung anzuraten. Tierisches Eiweiß sollte reduziert werden, der Proteinbedarf wird durch pflanzliche Quellen (z. B. Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse) gedeckt (vgl. Bruker, 2016, S. 54ff).
Ein Entgiften des Körpers, inklusive einer Darmreinigung bzw. Darmsanierung, wird ebenfalls empfohlen. Der Darm, wie die Haut eine Verbindung zur Außenwelt, ist der Sitz des Immunsystems, hier werden Abwehrstoffe produziert, und die Darmschleimhaut ist eine wichtige Barriere gegen Eindringlinge (Allergene) von außen. Nur eine intakte Darmschleimhaut mit einem gesunden Mikrobiom (früher: Darmflora) garantiert, dass allergene Stoffe nicht in den Körper gelangen (vgl. Frauwallner, 2012, S. 28f). Daher wirken sich eine Darmreinigung mit Kräutern (Mikrosan®), Heidelbeeren (als Abkochung oder Saft) und anschließender Aufbau des Mikrobioms mit natürlichen Darmbakterien (z. B. Omni Biotic®) positiv auf eine Allergie aus.

Allgemein immunstärkend wirkt Propolis, das Kittharz der Bienen. Täglich 10 Tropfen Propolistinktur auf ein Stück Brot oder in etwas Honig über 2 bis 3 Wochen, ist für Erwachsene, wegen des hohen Alkoholgehaltes aber nicht für Kinder, anwendbar. Für Kinder ist Propolis in homöopathischer Form (Globuli) geeignet. Propolis wird bei Neigung zu Allergie und hier besonders bei Neurodermitis eingesetzt (vgl. Wiesenauer, Boës, 2004, S. 133).
Die Anwendung der ätherischen Öle ist auf verschiedene Art und Weise möglich:
Am einfachsten ist die Trockeninhalation: 1 bis 2 Tropfen eines ätherischen Öles oder einer Mischung werden auf einen Tupfer getropft, um immer wieder daran zu riechen.

Auch zur Raumbeduftung mit Duftlampe oder Aroma-Vernebler sind die genannten ätherischen Öle geeignet.

Eine Dampfinhalation (1 bis 2 Tropfen des ätherischen Öles mit 1 Teelöffel Salz in heißes - nicht kochendes! - Wasser) befeuchtet zusätzlich die Schleimhäute ist, aber für Menschen mit Asthma nicht geeignet.

Für ein Fußbad werden 3 bis 4 Tropfen der ätherischen Öle mit einem Emulgator (z. B. 1 Teelöffel Salz oder Honig, 1 Esslöffel Schlagobers, 50 ml Vollmilch u. ä.) gemischt und in warmes Wasser gegeben. Die ätherischen Öle werden über die Haut resorbiert, das warme Bad (ca. 10 Minuten) wirkt außerdem entspannend und ist so dem Immunsystem zusätzlich zuträglich.

Als Nasenöl können ätherische Öle mehrmals täglich mit einem Watteträger direkt an die Nasenschleimhaut gebracht werden.

Die Anwendung der immunstabilisierenden ätherischen Öle ist auch als Einreibung auf die Fußsohlen oder im Bereich der Brust sehr wirksam.

Unterstützend werden zur Allergie-Prophylaxe auch fette Pflanzenöle angewendet. Schwarzkümmel-, Hanf- oder auch Nachtkerzenöl innerlich oder äußerlich verwendet, zeigen sowohl bei allergischen Hautreaktionen als auch bei Pollenallergie positive Wirkung (vgl. Krist, 2013, S. 717, 256, 514).

Schwarzkümmelöl beispielsweise kann kurmäßig innerlich eingenommen werden: ½ - 1 Teelöffel (entspricht etwa 2 g) über 4 bis 6 Wochen, danach eine Pause von 1 bis 2 Wochen, anschließend die Einnahme wiederholen (vgl. Pohl, 2015, S. 7). Um die Akzeptanz von Schwarzkümmelöl zu verbessern, kann man es, je nach geschmacklicher Vorliebe, mit Apfelmus, Bananenbrei oder Karottensaft mischen.

Was tun im Akutfall?

Auch am Höhepunkt einer Allergie eignen sich unterstützend ätherische Öle wie Atlaszeder und Zypresse (s.o.). Ein Nasenöl (siehe Infokasten) kann hier Linderung bringen.
Ein Auszug aus Astragalus-Wurzeln (Lectranal®) wirkt entzündungshemmend und kann die Bildung von schützenden Antikörpern (IgG) anregen. Dadurch wird das Immunsystem gestärkt. Die Einnahme erfolgt prophylaktisch (2 x täglich 1 Kapsel) oder im Akutfall (2 x täglich 2 Kapseln).3

Thryallis glauca (früher Galphimia, kleiner Goldregen) in homöopathischer Form wirkt desensibilisierend und ist das Allergiemittel schlechthin. Globuli oder Tropfen finden Anwendung bei Juckreiz, rinnender Nase oder geröteten Augen (vgl. Wiesenauer, Boës, 2004, S. 132)
Die Einnahme von Vitamin C, in natürlicher Form in Aroniasaft oder Sanddornsaft, unterstützt den Abbau von Histamin und verkürzt die Dauer einer allergischen Reaktion (vgl. Gröber, 2006, S. 66)

Dazu noch eine gewisse Portion Ausdauer und der nächste Frühling wird ganz entspannt!

p.s. Hier findest Du noch ein DIY Rezept für ein selbstgemachtes Nasenöl

Mag. Andrea Gavanelli

Mag.a Andrea Gavanelli

ist Pharmazeutin in einer Apotheke. Die Begeisterung für die ätherischen Öle begann schon mit ihrer Magisterarbeit des Pharmaziestudiums und führte schließlich zur Ausbildung zur Aromapraktikerin bei Eliane Zimmermann. Ätherische Öle sind, neben Australischen Buschblüten und Schüssler Mineralstoffen ein wichtiger Teil ihres Lebens.


(1) http://www.duden.de/rechtschreibung/Allergie [29.6.2016]
(2) https://www.meduniwien.ac.at/hp/1/area51/education/historische-meilensteine/clemens-freiherr-von-pirquet/[29.6.2016]
3 http://www.lectranal.at/

Literaturverzeichnis:
Bruker, Dr. med. M. O. (2016): Allergien müssen nicht sein. 15. Auflage. Lahnstein: emu Verlag
Feichtinger, T., Niedan-Feichtinger, S., Schulze-Kroenig, J. (2005): Biochemie nach Dr. Schüssler bei Hauterkrankungen und Allergien. 1. Auflage. Stuttgart: Haug Verlag
Frauwallner, A. (2012): Was tun, wenn der Darm streikt. Probiotika sinnvoll einsetzen. 1. Auflage. Wien: Kneipp Verlag
Gröber, U. (2006): Mikronährstoffe für die Kitteltasche. Beratungsempfehlung für die Praxis. 2. Auflage. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
Kapfelsperger, E.; Pollmer, U. (1992): Iss und stirb. Chemie in unserer Nahrung. Köln: Verlag Kiepenheuer & Witsch
Krist, S. (2013): Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle. 2. Auflage. Wien: Springer Verlag
Pohl, S. (2015): Schwarzkümmelöl das Gold der Pharaonen. In: Hand in Hand mit der Natur – Das Magazin für Aromapflege und Aromatherapie 2015: 5; S. 6-7
Poulsen, O. M.; Hau, J., Kollerup, J. (1987): Effect of homogenization and pasteurization on the allergenicity of bovine milk analysed by a murine anaphylactic shock model, In: Clinical allergy 17, S. 449-458
Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch (2002). 259. Auflage. Berlin: de Gruyter Verlag
Shinde, UA., Kulkarni, KR., Phadke, AS., Nair, AM., Mungantiwar, AA., Dikshit, VJ., Saraf, MN. (1999): Mast cell stabilizing and lipoxygenase inhibitory activity of Cedrus deodara (Roxb.) Loud. wood oil. In: Indian J Exp Biol., Vol 37, S. 258-261.
Thews, G., Mutschler, E., Vaupel, P. (1991): Anatomie Physiologie Pathophysiologie des Menschen, 4. Auflage, Stuttgart: Wissenschaftl. Verlagsgesellschaft
Wabner, D.; Beier, C. (2009): Aromatherapie. 1. Auflage. München: Elsevier Verlag
Wiesenauer, M., Boës, A. (2004): Homöopathie für die ganze Familie, 5. Auflage, Stuttgart: Hirzel Verlag