Schlacken adé - Entschlackungskur mit Birke und Brennnessel

Frühling, die Zeit des Erwachens, des neuen Lebens, und die Zeit der Erneuerung und des Loslassens. Nach kalten Wintertagen ist unser Körper nun darauf eingestellt, Altlasten zu entsorgen, zu „entrümpeln“ und dadurch Energie zu gewinnen. Jetzt ist also die ideale Zeit für eine Entschlackungskur mit Birke und Brennnessel!

Entschlacken, entgiften, Blut reinigen – viele Begriffe beschreiben den Vorgang der Schadstoffausscheidung aus unserem Körper. Die Organe, die dabei besonders gefordert sind, sind die Leber und die Niere. Die Leber produziert einerseits Gallensaft für die Fettverdauung, andererseits werden fettlösliche Abfallstoffe in wasserlösliche Metaboliten (Abbauprodukte von Stoffwechselvorgängen) umgewandelt, damit sie in weiterer Folge über die Niere ausgeschieden werden können.
Die Niere dagegen arbeitet wie ein Sieb: das Blut, das durch die Glomeruli (Nierenkörperchen) fließt, wird filtriert. Abfallstoffe werden mit dem Harn abtransportiert, lebenswichtige Stoffe werden zurückgehalten. Daraus wird ersichtlich, dass eine Anregung bzw. Unterstützung dieser beiden Organe die Ausleitung von Stoffwechselendprodukten fördern kann. Die Folgen können vielfältig sein: Hautprobleme wie Akne oder Juckreiz bessern sich, rheumatische Beschwerden werden gelindert, Kraft und Ausdauer kehren zurück, …

Die Naturapotheke bietet uns viele verschiedene Kräuter, die unserem Körper beim „Entgiften“ helfen können. Zwei prominente altbewährte Vertreter sind die Birke und die Brennnessel, die schon seit vielen Jahrhunderten verwendet werden.

Pionierpflanze Birke als Teekur

Die Birke (Betula pendula und Betula pubescens, Betulaceae), ist ein hoher, schlanker Baum, der an seiner typischen weißen Rinde leicht zu erkennen ist. Als wahrliche Pionierpflanze ist sie sehr ausdauernd und daher auch an anspruchsvollen Standorten zu finden: an Straßenrändern, in Mauerritzen, in der Kälte der nordischen Länder wie Finnland, Schweden oder Island. In den skandinavischen Ländern war die Birke ein wichtiger Schamanenbaum, er stand für Erneuerung, Jugendlichkeit, Fruchtbarkeit und Flexibilität (vgl. Zuther, 2014, S. 154ff).

Verwendung finden die Blätter, die im Frühling geerntet werden - in der Apotheke werden sie als Folium betulae/Birkenblatt gehandelt.
Heute weiß man, dass die Inhaltsstoffe der Birkenblätter, besonders die Flavonoide, die Nierendurchblutung anregen. Die Harnmenge steigt, Keime werden mitausgespült, die Verweilzeit des Harns in der Harnblase sinkt. Diesen Effekt nutzt man unterstützend bei Infektionen der Harnwege, rheumatischen Erkrankungen und natürlich auch im Rahmen von Entschlackungskuren (vgl. Wichtl, 2008, S. 128).

Tee-Zubereitung: 1 Teelöffel (die Menge, die zwischen 3 Fingerspitzen leicht gefasst werden kann; bei Frischpflanzen die doppelte Menge) mit etwa 150 ml kochend heißem Wasser übergießen, 8 - 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen.
Wichtig ist, dass zusätzlich zum Birkenblättertee (3 Tassen täglich) genug Flüssigkeit (2 Liter pro Tag) getrunken wird, am besten Wasser, Kräutertee oder klare Gemüsesuppe (vgl. Bühring, 2007, S. 65).

Birkenblättertee kann aber auch äußerlich verwendet werden: als Umschlag bei Hautunreinheiten, als Teilbad zur unterstützenden Linderung bei rheumatischen Erkrankungen, gegen Fußschweiß oder als Haarwasser, um das Haarwachstum anzuregen (vgl. Bühring, 2007, S. 65).

Bei Ödemen aufgrund von Herzschwäche, bei eingeschränkter Nierenfunktion, Hypertonie oder bei Harnwegsentzündungen mit Fieber soll Birkentee nicht angewendet werden! Ärztlichen Rat einholen! Vorsicht ist auch geboten bei schwangeren und stillenden Frauen – Stoffwechselprodukte aus dem Bindegewebe werden freigesetzt, gelangen in Umlauf und können dadurch auch an das ungeborene Kind bzw. den Säugling weitergegeben werden.

Die Brennnessel beim Entschlacken

(Urtica dioica, Urticaceae) ist eine krautige Pflanze, die weltweit als Ruderalpflanze (an Plätzen, die von Menschen beeinflusst wurden – Straßenränder, Industrieflächen, Mauern) zu finden ist. Ein Grund dafür ist, dass die Brennnessel große Mengen an Stickstoff im Erdreich (durch künstliche Düngung) verarbeiten kann, um daraus Proteine herzustellen. Das hat wieder zur Folge, dass Raupen von Schmetterlingen Brennnesseln lieben: sie ernähren sich von den eiweißhaltigen Blättern und fressen sie mitunter kahl (vgl. Kalbermatten, 2013, S. 45).

Neben Stickstoff nimmt die Brennnessel auch viel Eisen auf, was sie zu einer exzellenten natürlichen Eisenquelle macht. Im Rahmen einer Frühlingskur fördert sie daher also nicht nur die Ausleitung von „Giftstoffen“, sondern auch die Blutbildung (vgl. Zuther, 2014, S. 241).

Auch die Brennnessel wurde, wie die Birke, schon sehr früh vom Menschen genutzt. Empfohlen wurde sie als „Mittel gegen Gifte und Brennen“ bei Plinius, als Aphrodisiakum bei Ovid. Als Rohstoff für Stoffe nutzt man die Fasern der Brennnessel bis heute (vgl. Bühring, 2007, S. 71).

Die Blätter der Brennnessel werden im Frühling geerntet. Als Folium urticae/Brennnesselblatt in der Apotheke bekannt, wird sie bei Harnwegsinfektionen eingesetzt, ebenso bei Nierengrieß oder rheumatischen Beschwerden und Gicht. Frühlingskuren zur Reinigung und Entschlackung nutzen die diuretische (entwässernde) Wirkung der Brennnessel.
Aufgrund der vielen Mineralstoffe wird Brennnessel auch in der Rekonvaleszenz, bei leichter Blutarmut und nach Geburten empfohlen (vgl. Bühring, 2007, S. 71).

Vorsicht bei Ödemen aufgrund von Herzschwäche, bei Harnwegsinfektionen mit blutigem Harn oder eingeschränkter Nierenfunktion – ärztlichen Rat einholen (vgl. Wichtl, 2008, S. 681)!

Tee-Zubereitung: 1 Teelöffel (die Menge, die zwischen 3 Fingerspitzen leicht gefasst werden kann; bei Frischpflanzen die doppelte Menge) mit ungefähr 150 ml kochend heißem Wasser übergießen, 8 - 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen.
3 Tassen Tee täglich sollen unbedingt von genügend zusätzlicher Flüssigkeit begleitet werden.

Neben den Blättern werden auch Samen und Wurzeln der Brennnessel arzneilich verwendet. Brennnesselsamen (Semen urticae) enthalten fettes Öl mit sehr hohem Linolsäure-Gehalt. In der Volksmedizin werden sie als Breiauflage bei rheumatischen Beschwerden und Hauterkrankungen sowie innerlich bei Gallebeschwerden oder Durchfall verwendet (vgl. Wichtl, 2008, S. 684).
Brennnesselwurzeln (Radix urticae) werden ebenso wie die Blätter als Diuretikum (harntreibendes Mittel) eingesetzt. In Studien wurden positive Wirkungen bei benigner Prostatahyperplasie belegt (vgl. Wichtl, 2008, S. 687).

Der Frühling ist da, einer Entschlackungskur mit Brennnessel und Birke steht also nichts mehr im Weg!
Daher: Nicht abwarten, sondern Tee trinken!

Mag. Andrea Gavanelli

Mag.a Andrea Gavanelli

ist Pharmazeutin in einer Apotheke. Die Begeisterung für die ätherischen Öle begann schon mit ihrer Magisterarbeit des Pharmaziestudiums und führte schließlich zur Ausbildung zur Aromapraktikerin bei Eliane Zimmermann. Ätherische Öle sind, neben Australischen Buschblüten und Schüssler Mineralstoffen ein wichtiger Teil ihres Lebens.

Literaturverzeichnis:
Bühring, U. (2007): Alles über Heilpflanzen. Erkennen,  anwenden und gesund bleiben. Stuttgart: Ulmer Verlag
Fulda, S. (2008): Betulinic Acid for Cancer Treatment and Prevention, Int J Mol Sci. 2008 Jun; 9(6): 1096–1107. Kalbermatten, R. (2013): Wesen und Signatur der Heilpflanzen. Die Gestalt als Schlüssel zur Heilkraft der Pflanzen. 8. Auflage. Aarau: AT Verlag
Wichtl, M. (2008): Teedrogen und Phytopharmaka. Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Basis. 5. Auflage. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
Zuther, S. (2014): Die Sprache der Pflanzenwelt. 2. Auflage. Aarau: AT Verlag

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