Wie unterscheiden sich mineralische von chemischen Sonnenschutzmitteln?

Mineralische vs. chemische Sonnenschutzmittel - was ist der Unterschied?

Der Sommer rückt immer näher und mit ihm auch die Frage: Welcher Sonnenschutz ist am besten geeignet? Die angebotene Produktpalette ist riesig; uns fällt es oftmals schwer, zu erkennen, worin sich die einzelnen Marken und Produkte eigentlich unterscheiden. Sonnenschutz kann grob in mineralische und chemische Produkte unterteilt werden. In diesem Artikel erfährst Du alles, was Du über die verschiedenen Eigenschaften wissen musst.

Sonnencreme im Sand

Welche Unterschiede gibt es in der Wirkungsweise?

Chemische Sonnenschutzmittel

Chemische Sonnencremes schützen Deine Haut, indem sie UV-Strahlen absorbieren und in Wärme umwandeln. Da sie zu diesem Zweck in die Haut eindringen und sich mit dem Unterhautfettgewebe verbinden müssen, entfalten sie ihre Schutzwirkung erst nach etwa 20 bis 30 Minuten Einwirkzeit.

Durch das Eindringen in die Haut führen chemische Sonnencremes vergleichsweise häufig zu allergischen Reaktionen. Von einigen chemischen UV-Filtern vermuten Experten darüber hinaus, dass sie im Körper bestimmte biochemische Reaktionen auslösen können (ähnlich Hormonen). Ein Teil von ihnen gilt sogar als potenziell krebserregend. [1]

Zu den als sehr bedenklich eingestuften Inhaltsstoffen gehören:

  • Benzophenone-3, -4 und -5
  • Methoxycinnamate
  • Homosalate
  • Octocrylene
  • 4-Methylbenzylidene Camphor

Die wenigsten Personen werden diese komplexen chemischen Bezeichnungen auswendig lernen. Doch das ist auch nicht notwendig: Mittlerweile gibt es spezielle Handy-Apps, mit denen Du den Barcode eines Produkts scannen und seine Inhaltsstoffe noch im Laden automatisch überprüfen lassen kannst. Auf die Weise kannst Du ohne lange Recherchearbeiten sichergehen, ein unbedenkliches Produkt zu erwerben.

Mineralische Sonnenschutzmittel

Mineralische Sonnenmilch, auch als physikalische Sonnenmilch bezeichnet, legt sich wie ein Schutzschild auf Deine Haut und reflektiert auftreffende UV-Strahlen. Hierfür werden mineralische Weißpigmente wie Zinkoxid oder Titandioxid verwendet. Zinkoxid bietet einen Breitbandschutz sowohl gegen UVA- als auch gegen UVB-Strahlen. Titandioxid hingegen schützt zwar zuverlässig vor UVA-, aber nicht vor allen Typen von UVB-Strahlen. Daher werden die beiden Mineralien gerne miteinander kombiniert. [2]

Eco Sonnencreme Spritzer

Physikalische Sonnenschutzprodukte dringen (sofern es sich nicht um Nanopartikel handelt) nicht in den Körper ein, sondern bilden einen oberflächlichen Film auf der Haut. Sie entfalten ihre Schutzwirkung unmittelbar nach dem Auftragen. Die Wirkungsweise beruht nicht auf chemischen Reaktionen, sondern ausschließlich auf der Reflexion der Sonnenstrahlen. Mineralische UV-Filter arbeiten also prinzipiell wie ein Spiegel. Ihr Allergiepotenzial ist erheblich geringer als bei chemischen UV-Filtern. Achtest Du zusätzlich noch darauf, natürliche Sonnencreme ohne Nanopartikel zu verwenden, können die enthaltenen Filterpartikel keine schädlichen Stoffwechselprozesse im Körper auslösen.

Nahrungsmittel als Sonnenschutz

Verschiedene Nahrungsmittel verbessern die Widerstandsfähigkeit der Haut und gelten daher als "natürliche Sonnenschutzmittel" gegen Sonnenbrand. Beispiele sind Speiseöle sowie Nahrungsmittel, die Carotinoide enthalten. Die Tomate enthält Lycopin, das eine Art UV-Filter aufbaut und vor Sonnenlicht schützen kann. [3] Bereits vor der Sommersaison oder dem Badeurlaub kannst Du damit beginnen, Deinen natürlichen Hautschutz von innen heraus aufzubauen, z.B. mit einer Sanddorfruchtfleischöl-Kur.

Carotinoid-haltige Lebensmittel sind allgemein empfehlenswert zur Gesunderhaltung der Haut, stellen aber keinesfalls einen Ersatz für Sonnenschutzmittel dar. Auch der natürliche Lichtschutzfaktor, den zum Beispiel einige Speiseöle aufweisen, ist nicht mit dem eines entsprechenden Kosmetikums vergleichbar.

Was sollte bei der Auswahl der Sonnencreme weiterhin beachtet werden?

Achtung Nanopartikel und Mikroplastik

Sowohl mineralische als auch chemische Sonnenschutzprodukte sind nicht empfehlenswert, wenn die enthaltenen Partikel auf Mikro- oder Nanogröße zerkleinert worden sind. Zum Mikroplastik zählen unlösliche synthetische Kunststoffe (Polymere) mit einer Größe von weniger als 5 mm. Nanopartikel sind maximal 0,0001 mm groß, also ein Zehntausendstel Millimeter!

Im Falle einer derartigen Zerkleinerung können die Inhaltsstoffe in den Organismus gelangen, beispielsweise durch kleine Hautverletzungen. Aufgrund ihrer Wechselwirkungen und Anreicherung in Organen sind die Teilchen dann mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse stehen zu diesem Thema noch aus; bis sie vorliegen, ist aber grundsätzlich Vorsicht geboten.

Mikroplastik

Ein weiterer Aspekt sind die gravierenden Auswirkungen von Mikro- und Nanopartikeln auf die Tier- und Umwelt: Beim Baden löst sich ein Teil der Partikel von Deiner Haut und gelangt ins See- oder Meerwasser. Meerestiere nehmen die Teilchen auf und schaden dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch uns, wenn sie in unsere Nahrungskette gelangen. Zudem werden verschiedene Mikroorganismen wie Phytoplankton in ihrer Entwicklung beeinträchtigt. [4] Seit 2013 ist die Kennzeichnung von Nanopartikeln in Kosmetika verpflichtend. Ein Blick auf die Auflistung der Inhaltsstoffe gibt Aufschluss: Hier muss gegebenenfalls der Begriff "(nano)" hinter der entsprechenden Substanz auftauchen.

Auf diese Weise kannst Du vor dem Kauf einer Sonnencreme problemlos überprüfen, ob es sich bei dem enthaltenen Zink und Titan um Nanopartikel handelt. Dies ist gar nicht selten der Fall, denn auf Nanogröße zerkleinerte mineralische Sonnenschutzprodukte lassen sich besonders gut auf der Haut verteilen und hinterlassen keinen "Weißfilm". Beides empfinden wir beim Auftragen als angenehmer; leider eben zu Lasten unserer Gesundheit und der Umwelt.

Mikroplastik kann sich hinter verschiedenen Begriffen in der Inhaltsstoffliste verbergen. Dazu gehören vor allem:

  • Polyamid (PA)
  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)
  • Polyethylenterephtalat (PET)

Weitere Inhaltsstoffe, die in Form von Mikroplastik vorliegen können, sind:

  • Acrylate Copolymer (AC)
  • Acrylate Crosspolymer (ACS)
  • Polyacrylate (PA)
  • Polymethylmethacrylate (PMMA)
  • Polyquaternium (PQ)
  • Polystyrene (PS)
  • Polyurethane (PUR)

Zertifizierte Naturkosmetik ist frei von Mikroplastik.

Achtung Palmöl

Aufgrund seiner rückfettenden, antioxidativen Wirkung sowie seines günstigen Einkaufspreises ist Palmöl ein beliebter Inhaltsstoff für diverse Kosmetika. Die gravierenden Folgen für die Umwelt, die mit seiner Herstellung oft verbunden sind, bleiben dabei unberücksichtigt: Für die Gewinnung von Palmöl werden riesige Flächen Regenwald und Torfgebiete vernichtet.

Da sich Palmöl hinter diversen verschiedenen Begriffen verbergen kann, stehen auch umweltbewusste Konsument*innen vor einer Herausforderung. Für Naturkosmetika wird in der Regel zertifiziertes Palmöl verwendet, bei dessen Herstellung verschiedene Standards eingehalten werden müssen. Besser ist es allerdings, gezielt Kosmetika zu kaufen, die explizit als frei von Palmöl gekennzeichnet sind.

Welche Sonnencreme soll ich kaufen, wenn ich auf mich und die Umwelt achten will?

Willst Du Deine Gesundheit, die Umwelt und Korallenriffe schützen, dann ist die Wahl der richtigen Sonnencreme entscheidend. Wir haben bewusst jahrelang keine Sonnenkosmetik in unserem Sortiment angeboten, weil uns keine überzeugt hat. Der Firma eco cosmetics ist es geglückt, uns mit der neuen „sensitiv“ Linie zu begeistern. Mit einem speziellen Verfahren schafft es eco Sonnencremes ohne Nanopartikel herzustellen. Dabei wird übrigens die Bildung von Vitamin D nicht behindert. Außerdem verzichtet das Unternehmen auf Palmöl. Der Wehrmutstropfen: Obwohl durch das spezielle Herstellungsverfahren kein gespenstisch aussehender Weißfilm mehr entsteht, werden manche Hauttypen beim Auftragen einen leichten Weißel-Effekt bemerken. Ein kleiner Schönheitsfehler, über den Du mit diesen 3 guten Gründen für natürliche Sonnencreme vielleicht hinwegsehen wirst.

Sonnencreme Herz

Literaturnachweis:

[1] Gustavsson Gonzalez H., Farbrot A., Larkö O. (2002): Percutaneous Absorption of benzophenone-3, a Common Component of Topical Sunscreens. Departments of Dermatology, and Clinical Chemistry, Sahlgrenska University Hospital, SE-413 45 Göteborg, Sweden. PMID: 12472548 DOI: 10.1046/j.1365-2230.2002.01095.x (online unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12472548/)

[2] eco cosmetics: Häufige Fragen (FAQS). Online unter: https://eco-naturkosmetik.de/haeufige-fragen/, zuletzt aufgerufen am: 20.05.2020.

[3] Bühring U., Bächle-Helde B. (2017): Heilkraft von Obst und Gemüse. Ulmer KG: Stuttgart.

[4] Süddeutsche Zeitung (2017): Sonnencreme zerstört das Meer. Online unter: https://www.sueddeutsche.de/wissen/sonnenschutz-sonnencreme-zerstoert-das-meer-1.3571444, zuletzt aufgerufen am: 20.05.2020.

Bildnachweis:

[1+2] Aromapflege / Dieter Kühl - DK-Fotografie

[3] Oregon State University / flickr

[4] chezbeate / pixabay