Aromadiffusor im Krankenzimmer - eine Bakterienschleuder? 28.02.2019 17:12

Aromadiffusor im Krankenzimmer - eine Bakterienschleuder?

Immer wieder taucht bei Verantwortlichen im Gesundheits- und Pflegebereich die Frage auf: Sind Aromavernebler in Krankenzimmer idealer Nährboden für Bakterien und somit ein Sicherheitsrisiko? Dr. Gerda Dorfinger konnte in ihrer Versuchsreihe das Gegenteil beweisen.

Ätherische Öle sind in vielen Krankenanstalten und Pflegeheimen ein fester Bestandteil des Pflegealltages geworden. Während in privaten Haushalten die Eigenverantwortlichkeit der Anwender für einen entsprechend hygienischen Einsatz von ätherischen Ölen klar gegeben ist, gelten für die Anwendung im Spitalsbereich strenge Vorgaben, wie sie auch für andere Pflegeprodukte selbstverständlich sind.

Ist ein Aromavernebler im Krankenzimmer eine Bakterienschleuder?

Immer wieder erregen Aromadiffusoren (auch: Aromavernebler) den Argwohn der Krankenhaushygieniker und das nicht ganz zu Unrecht. Die Vernebler werden mit Wasser befüllt, was immer ein Reservoir für die Vermehrung von Keimen und Bildung von Biofilmen darstellt. Grund genug also um sich das vermeintliche hygienische Problem mit den Aromadiffusoren einmal genauer anzusehen:

Versuchsreihe: Bakterien bei Aromadiffusor in KrankenzimmerDrei Geräte wurden mit je 30 ml Aqua destillata sowie 3 Tropfen Zitronenöl und 1 Tropfen Thymian Thymol befüllt. Ein Gerät wurde in einem Krankenzimmer der Klinik Pirawarth aufgestellt, das andere im Wartezimmer und im Behandlungsraum einer Arztordination.
Die Diffusoren waren eine Stunde in Betrieb, danach blieben diese absichtlich für 24 Stunden an Ort und Stelle. Nach 24 Stunden wurde die verbliebene Flüssigkeit steril entnommen und ein Abstrich von einer schwer zugänglichen Stelle (obere Öffnung) gemacht, beides wurde bakteriologisch untersucht.

Ergebnisse der Versuchsreihe
Die Flüssigkeitsproben zeigten in zwei Fällen kein Wachstum, bei einer Testflüssigkeit konnte 1 KbE/ml (koloniebildene Einheit pro ml) nachgewiesen werden. Allerdings handelte es sich um harmlose Bakterien, die auch auf der Haut vorkommen (Koagulase-negative Staphylokokken). Alle Abstriche zeigten in der Bakterienkultur kein Wachstum!

Aromavernebler in Krankenzimmer ist sicher
Bei korrekter hygienischer Aufbereitung stellen Aromadiffusoren kein hygienisches Risiko dar. Die Flüssigkeit im Gerät war nach 24 Stunden entweder steril oder ganz gering mit ungefährlichen Keimen belastet, ein Ergebnis, welches auch für die Probe eines Endoskop Kanals noch den hygienischen Anforderungen entsprechen würde.

Tipps für den richtigen Umgang mit Aromavernebler

Allerdings ist es nicht ratsam, die Flüssigkeit im Diffusor länger als 24 Stunden stehen zu lassen, da sich nach dieser Zeit eine Kontamination z. B. mit Pseudomonas aeruginosa bilden könnte. Jeder Aromadiffusor sollte also nach Gebrauch entleert, getrocknet und mit einem Oberflächendesinfektionsmittel innen, außen sowie am Deckel und an den Austrittsöffnungen gereinigt werden.

Die schwer zugänglichen Stellen bei den Austrittsöffnungen stellen wohl das größte Gefahrenpotential dar, daher könnte man den Deckel auch in eine formaldehydfreie Desinfektionslösung einlegen, wie sie z. B. für die Reinigung von Instrumenten oder Endoskopen verwendet wird. So könnten auch schwer zugängliche Stellen sicher desinfiziert werden. Um Kalkablagerungen zu vermeiden sollten die Vernebler stets mit Aqua destillata betrieben werden.

Bei korrekter hygienischer Aufbereitung stellen Aromavernebler kein hygienisches Risiko dar.

Weitere Informationen:
Diese Versuchsreihe ist Teil einer 2-teiligen Reihe. Versuchsreihe 1 beschäftigte sich mit der Frage: Können ätherische Öle "verkeimen" wie zum Beispiel Pflegecremen und Salben?


Porträt von Dr. Gerda DorfingerDr. Gerda Dorfinger ist Fachärztin für Medizinische und Chemische Labordiagnostik und Fachärztin für Zytodiagnostik. Sie ist Wahlärztin in Wien in einer Praxisgemeinschaft mit Ihrem Mann, einem Facharzt für Urologie. Beide beschäftigen sich seit Jahren mit dem Einsatz ätherischer Öle bei urogenitalen Infekten und sind Teil des Lehrgangteams „medizinische Aromatherapie“. Als Spitalsärztin ist sie im Zentrallabor des Otto Wagner Spitals der Stadt Wien beschäftigt und übt eine Lehrtätigkeit für das Fach Biomedizinische Analytik am FH Campus Wien aus. Weiters ist sie Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege (ÖGwA).



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Literaturverzeichnis:
Deutsch-Grasl, E., Buchmayr, B., Eberle, M. (2015): Aromapflege Handbuch – Leitfaden für den Einsatz ätherischer Öle in Gesundheits-, Krankenpflege- und Sozialberufen. 3. Auflage. Pflach: Aromapflege.com
F. Maudsley, K.G. Kerr, Microbiological safety of essential oils used in complementary therapies and the activity of these compounds against bacterial and fungal pathogens; Support Care Cancer 1999 7.100-102

Bildverzeichnis: © Dr. Gerda Dorfinger, Pedro Figueras from Pexels