Fitness für die Nase: Was kann und wie geht ein Riechtraining

Unser Geruchssinn hat die einzigartige Fähigkeit, sich durch regelmäßige Reizung zu verbessern und zu regenerieren. Sowohl als Vorsorge als auch bei vorhandenen Riechbeeinträchtigungen kann ein gezieltes Training mit ätherischen Ölen die Lebensqualität von Menschen im Allgemeinen und das von älteren im Besonderen entscheidend verbessern. 

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Riechstörung im Alter - Verlust des Geruchssinnes warnt vor Krankheiten

Wie wichtig unser Geruchssinn ist, merken wir erst, wenn dieser durch eine Erkrankung oder altersbedingt langsam nachlässt oder ganz verloren geht. Dass es kein Adjektiv für „nicht Riechen können“ gibt, wie für die anderen Sinne - wie zum Beispiel taub oder stumm - zeigt schon, dass der Geruchssinn lange Zeit eine sekundäre Rolle gespielt hat. Mittlerweile wird auch in der Medizin die Nase mehr wahrgenommen, denn ein Verlust des Geruchssinnes kann auch ein Frühwarnzeichen für andere Erkrankungen wie Alzheimer sein. Die Fähigkeit zu riechen lässt im Alter - ungefähr ab dem 60. Lebensjahr – immer mehr nach. Je älter ein Mensch wird, desto weniger intensiv kann er einen Duft wahrnehmen. Außerdem fällt es älteren Menschen schwerer, Gerüche zu identifizieren oder sich an sie zu erinnern. Das liegt daran, dass die Riechzellen abnehmen – außer sie werden gezielt trainiert! 

Studien belegen, dass ein regelmäßiges Riechtraining altersbedingte Einschränkungen vorgebeugt werden kann. Und die gute Nachricht für alle, die bereits einen eingeschränkten Geruchssinn haben: die Riechzellen können mit einem Training auch wieder zunehmen. Die Erneuerung des Riechepithels, also das Ausbilden neuer Riechzellen dauert ein bis vier Monate. So lange sollte ein gezieltes Riechtraining auch mindestens durchgeführt werden. Vorstellen kann man sich das wie beim normalen Muskeltraining: Muskeln die nicht benutzt werden verkümmern, Muskeln die einen ständigen Trainingsreiz in ausreichendem Umfang erhalten, werden stärker. Bei einem Riechtraining handelt es sich um eine Frischzellenkur fürs Gehirn – neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen werden geschaffen und es kommt zur Verbesserung des Gehirnstoffwechsels. Denkprozesse, Konzentration und Leistungsfähigkeit werden angeregt. Aufgrund der anatomischen Nähe von Riechkolben und Emotionszentrum wird jeder Duftreiz mit einer Erinnerung verknüpft.

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Was ist ein Riechtraining und wie geht es?

Bei einem Riechtraining handelt es sich um Schnupperübungen mit verschiedenen Aromen. Ihr intensiver Duft macht ätherische Öle zu idealen Trainingsmedien. Egal ob im Pflegebereich oder in den eigenen vier Wänden, wichtig ist, dass Du beim Einsatz von ätherischen Ölen immer auf deren Qualität achtest (100 % natürliches ätherisches Öl aus kontrolliert biologischem Anbau bzw. Wildsammlung).
Für ein Riechtraining wählst Du aus folgenden Kategorien je ein Öl aus:

  • fruchtig (Zitrone, Bergamotte, Eisenkraut, Limette)
  • blumig (Rose, Rosengeranie, Palmarosa)
  • würzig (Eukalyptus, Cajeput, Niaouli, Myrte Türkei)
  • harzig (Nelke, Zimtblätter, Tulsi, Bay)

Ein bis zwei Tropfen jedes Öls kommen auf ein Wattepad und werden jeweils in ein verschließbares Döschen gegeben. Du kannst alternativ auch einen Riechstift verwenden, dafür benötigst du je nach Intensität des Duftes etwa sechs bis acht Tropfen des ätherischen Öles. Am besten ist es, wenn Du den Riechträger mit dem Namen des Duftes beschriftest. Lass nun Deinen Trainingskandidaten / Deine Trainingskandidatin (oder Dich selbst) zweimal am Tag, morgens und abends, an den Düften schnuppern. Halte dazu die Riechmedien nacheinander direkt während eines tiefen Atemzugs unter die Nase. Zusätzlich kannst Du auch noch ein Bild der entsprechenden Frucht oder der Pflanze zeigen um gleichzeitig Verknüpfungen zu gesunden, visuellen Hirnarealen herzustellen. Man kann das Training auch als Duft-Memory gestalten: die Trainingsperson soll versuchen, die gerochenen Düfte den entsprechenden Bildern zuzuordnen. Nach ca. 4 Monaten können dann die Düfte ausgetauscht werden, aber wieder jeweils aus jeder Kategorie ein ätherisches Öl um eine möglichst große Bandbreite anzusprechen.

Eine weitere Möglichkeit, den Geruchssinn zu aktivieren, ist es gezielt den Nervus Trigeminus zu reizen. Scharfe, kühle oder faulige Duftstoffe, wie sie etwa in Essig-, Salzsäure oder Ammoniak vorkommen, können auch Menschen mit geschädigtem Riechkolben wahrnehmen. Als körpereigener Schutzmechanismus kommt es dabei zur vermehrten Bildung von Tränenflüssigkeit und Schleim. Auch die sehr intensiven ätherischen Öle von Eukalyptus, Pfefferminze und Zimt reizen den Trigeminus-Nerv. Um dies in der Praxis zu nutzen, bietet es sich an, ein Riechsalz dafür zu verwenden.

Jeden Tag trainieren: Riechtraining mit Alltagsdüften

Neben dem gezielten Training mit den ätherischen Ölen können natürlich alle im Alltag vorkommenden intensiven Düfte ganz bewusst wahrgenommen und gerochen werden – sei es der Duft einer Orange beim Schälen oder der frisch gemahlene Kaffee. Und bei einem Spaziergang oder Aufenthalt im Wald bietet es sich an, ein paar Tannennadeln zu zerreiben oder an einem harzigen Stamm zu schnüffeln, um die Terpene - die Duftstoffe des Waldes - zu riechen.

Schlussgedanken:

Ein Riechtraining muss nicht viel Zeit in Anspruch nehmen - wichtig ist, dass es Spaß macht und spielerisch abgehalten wird. Du wirst nach kurzer Zeit bemerken, wieviel mehr an Lebensqualität Dir eine gut trainierte Nase bescheren kann. Eine ägyptische Weisheit besagt: „Ein Tag ohne Dufterlebnisse ist ein verlorener Tag.“ Warum sollten wir also einem so wichtigen Sinn nicht unsere Aufmerksamkeit schenken?

Literatur / Quellen:

Magreiter, Maria (2018): Training mit Düften, in: Österreichische Pflegezeitschrift, Ausgabe 5, 33-37.
Magreiter, Maria (2018): Frischzellenkur fürs Gehirn, in: Aktivieren, Ausgabe 5, 28-31

Bilder:

© Aromapflege GmbH / Dieter Kühl - DK-Fotografie